Transgressive Body Reincarnated Flesh Berlin

2008-09-05 Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland Shanghai: Transgressive Body Reincarnated Flesh Berlin 2008

VON MARK BENECKE

05. – 12. September 2008
Tape, Berlin
Kuratoren: Thomas Grundmann, Zoe Zhang
Organisation: Abteilung Kultur & Bildung / Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland Shanghai (德国驻上海总领事馆文化教育处) & TEAPOT Gallery
 

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Fakten

Ausstellung:
„Transgressive Body / Reincarnated Flesh“
deutsch-chinesische Ausstellungs-Kooperation in Berlin
Datum:
05. – 12. September 2008
Location:
Tape Artspace
Heidestr. 14
10557 Berlin

Das Tape Artspace befindet sich in der Berliner Heidestrasse, zur Zeit eine angesagte Galerienadresse der Hauptstadt. Das Tape Artspace verfügt über zwei separate Räume, die fließend in einander übergehen: eine Ausstellungshalle und einen Club. Der Club wird auch von den anderen Galerien als Partylocation genutzt.


Publikum:
Erwartete Besucher während der gesamten Ausstellungsdauer: 3.000
Zielgruppe:
25 – 60 Jahre
Mit hoher Affinität zu Kunst & Ästhetik, Design, Lifestyle & aktuellen Trends.
Einkommensstarke, gebildete Gesellschaftsschicht mit hohem Anspruch an Qualität und Substanz.
Aufgeschlossen und weltoffen. 
Gehören zum Kreis deutscher Meinungsbilder / -führer.

Die Künstler – “Transgressive Body“

Thomas Grundmann (Malerei)
Martin Eschrich (Skulptur)
Rolf A. Kluenter (Installation)
Mark Benecke (Fotografie ) 
Sylvie Tillmann (Fotografie) 
Ilja Hummel (Fotografie) 
Amir Fattal (Installation, Fotografie, Video-Arbeit) 
Herbert Hoffmann (Fotografie & Tattoo-Sheets) 
Jens-Manfred Gössling (Malerei) 
James Fox (Fotografie) 
Max Doerr (Collage) 

 Künstler:  Thomas Grundmann  April, 2007, Öl auf Leinwand Thomas Grundmann untersucht mit seiner im traditionell-barocken Stil ausgeführten Ölmalerei die Zusammenhänge zwischen den Ikonen unserer Zeit. Vom Punk und Tätowieren kommend erforscht er im besonderen Maße die Extremsituationen des Lebens, seien es Bilder von Sterbenden, Männer in verschiedenen Stadien des langen Weges zur Frau-Werdung oder die Zusammenhänge zwischen Yorkshire-Terriern und Black Metal-Bands.

Künstler: Thomas Grundmann
April, 2007, Öl auf Leinwand
Thomas Grundmann untersucht mit seiner im traditionell-barocken Stil ausgeführten Ölmalerei die Zusammenhänge zwischen den Ikonen unserer Zeit. Vom Punk und Tätowieren kommend erforscht er im besonderen Maße die Extremsituationen des Lebens, seien es Bilder von Sterbenden, Männer in verschiedenen Stadien des langen Weges zur Frau-Werdung oder die Zusammenhänge zwischen Yorkshire-Terriern und Black Metal-Bands.

 Künstler:  Sylvie Tillmann  untitled, 2007, d-print Sylvie Tillmann versteht den Körper als Oberfläche, Projektionsfläche und Ausdrucksmittel ihrer Gedanken, Körper als Transportmittel der Seele. Sie beschäftigt sich mit der Tatsache, wie erschreckend wenig Spielraum die allgemeine Vorstellung von Schönheit lässt. In ihren Bildern zeigt sie Menschen, die sich nicht mit diesen Paradigmen identifizieren. Ungeschönt und trotz skurriler Accessoires lassen sie den Betrachter spüren, dass die eigenen Grenzen der Ästhetik durchaus erweiterbar.

Künstler: Sylvie Tillmann
untitled, 2007, d-print
Sylvie Tillmann versteht den Körper als Oberfläche, Projektionsfläche und Ausdrucksmittel ihrer Gedanken, Körper als Transportmittel der Seele. Sie beschäftigt sich mit der Tatsache, wie erschreckend wenig Spielraum die allgemeine Vorstellung von Schönheit lässt. In ihren Bildern zeigt sie Menschen, die sich nicht mit diesen Paradigmen identifizieren. Ungeschönt und trotz skurriler Accessoires lassen sie den Betrachter spüren, dass die eigenen Grenzen der Ästhetik durchaus erweiterbar.

 Künstler:  Herbert Hoffmann  untitled, s/w Foto Herbert Hoffmann, Jahrgang 1919, ist der älteste noch lebende Tätowierer Deutschlands und gilt nicht nur in Tatookreisen als lebende Legende. Viele Jahrzehnte führte er die „Älteste Tätowierstube Deutschlands" in Hamburg-St. Pauli. 2002 veröffentlichte Hoffmann das Photolesebuch „BilderbuchMenschen. Tätowierte Passionen 1878-1952“ , das Photos aus 100 Jahren Tätowiergeschichte zeigt.

Künstler: Herbert Hoffmann
untitled, s/w Foto
Herbert Hoffmann, Jahrgang 1919, ist der älteste noch lebende Tätowierer Deutschlands und gilt nicht nur in Tatookreisen als lebende Legende. Viele Jahrzehnte führte er die „Älteste Tätowierstube Deutschlands" in Hamburg-St. Pauli. 2002 veröffentlichte Hoffmann das Photolesebuch „BilderbuchMenschen. Tätowierte Passionen 1878-1952“ , das Photos aus 100 Jahren Tätowiergeschichte zeigt.

 Künstler:  Amir Fattal  Glory # 2 + Melanchony, 2008, Lightboxes In seinen Werken verwischt Fattal, der soeben mit dem Förderpreis des Berliner GASAG-Kunstpreises ausgezeichnet wurde, die Grenzen zwischen journalistischer Dokumentation und Performance. Unmittelbar untersuchen seine Fotografien den menschlichen Körper und dessen Sexualität – prägend und kennzeichnend sind neben der fotojournalistischen Erfahrung, Einflüsse von Pornographie, Malerei und Massen- wie Szenekultur.

Künstler: Amir Fattal
Glory # 2 + Melanchony, 2008, Lightboxes
In seinen Werken verwischt Fattal, der soeben mit dem Förderpreis des Berliner GASAG-Kunstpreises ausgezeichnet wurde, die Grenzen zwischen journalistischer Dokumentation und Performance. Unmittelbar untersuchen seine Fotografien den menschlichen Körper und dessen Sexualität – prägend und kennzeichnend sind neben der fotojournalistischen Erfahrung, Einflüsse von Pornographie, Malerei und Massen- wie Szenekultur.

 Künstler:  Max Doerr  Untiteld, 2008, Collage auf belichtetem Polaroid Doerr hat 2007 die Central St. Martins University für Mode-Design als Jahrgangsbester abgeschlossen und ist zur Zeit bei Jil Sander, Mailand, tätig. Er arbeitet fast ausschließlich mit Collagen, oft zusammen mit den Materialien Tape und Polaroids. In seinen Arbeiten setzt er sich mit unserem durch die Medien bestimmten Bild der Wirklichkeit außerhalb des privaten Rahmens auseinander. Oft benutzt er Bilder von Celebrities, die er durch Neuzusammensetzung auf eine andere Ebene hebt und so den weitverbreiteten Glauben eines Bezugs von Bild zu Wirklichkeit in Frage stellt.

Künstler: Max Doerr
Untiteld, 2008, Collage auf belichtetem Polaroid
Doerr hat 2007 die Central St. Martins University für Mode-Design als Jahrgangsbester abgeschlossen und ist zur Zeit bei Jil Sander, Mailand, tätig. Er arbeitet fast ausschließlich mit Collagen, oft zusammen mit den Materialien Tape und Polaroids. In seinen Arbeiten setzt er sich mit unserem durch die Medien bestimmten Bild der Wirklichkeit außerhalb des privaten Rahmens auseinander. Oft benutzt er Bilder von Celebrities, die er durch Neuzusammensetzung auf eine andere Ebene hebt und so den weitverbreiteten Glauben eines Bezugs von Bild zu Wirklichkeit in Frage stellt.

 Künstler:  Mark Benecke  untitled, 2008, fotografie Mark Benecke ist Deutschlands bekanntester Forensiker. Seine Bilder von Tatorten zeigen neben gestochen scharfen Fotos der Opfer und der Umgebung auch Verwackelte und ins total unscharfe abgleitende. In der Fotoserie "Geister" verbindet Benecke diese drei im Inhalt verschiedenen Themen und fügt so eine höhere Ebene hinzu. Geister!

Künstler: Mark Benecke
untitled, 2008, fotografie
Mark Benecke ist Deutschlands bekanntester Forensiker. Seine Bilder von Tatorten zeigen neben gestochen scharfen Fotos der Opfer und der Umgebung auch Verwackelte und ins total unscharfe abgleitende. In der Fotoserie "Geister" verbindet Benecke diese drei im Inhalt verschiedenen Themen und fügt so eine höhere Ebene hinzu. Geister!

 Künstler:  Ilja Hummel  Home of the noisy, 2008, d-print Hummel betreibt Internet Recherche um verwaiste Mädchenpensionate, Tbc-Klinken oder Nervenheilanstalten ausfindig zumachen. Bis zu 48 Stunden am Stück hält er sich in den Gebäuden auf, nachdem er sich Zutritt verschafft hat und fotografiert den Ist-Zustand. Es entstehen intensive Bilder der Leere, des Verfalls. Morbid-schöne Portraits der oft letzten Station dieser einst so belebten öffentlichen Gebäude.

Künstler: Ilja Hummel
Home of the noisy, 2008, d-print
Hummel betreibt Internet Recherche um verwaiste Mädchenpensionate, Tbc-Klinken oder Nervenheilanstalten ausfindig zumachen. Bis zu 48 Stunden am Stück hält er sich in den Gebäuden auf, nachdem er sich Zutritt verschafft hat und fotografiert den Ist-Zustand. Es entstehen intensive Bilder der Leere, des Verfalls. Morbid-schöne Portraits der oft letzten Station dieser einst so belebten öffentlichen Gebäude.

Die Künstler – „Reincarnated Flesh“

1. Chi Peng (Fotografie) 
2. Cui Xiuwen (Fotografie, Video) 
3. Huang Yan (Fotografie, Installation) 
4. Li Jikai (Malerei, Skulpturen) 
5. Xing Jing (Skulpturen) 
Sun Fu-Rong
Zhang Xiaotao (Malerei) 

 

Idee

Im Mittelpunkt der deutsch-chinesischen Kooperation „Reincarnated Flesh / Transgressive Body“ steht der menschliche Körper. Für den Kurator des deutschen Parts, Thomas Grundmann, ist der Körper das ausführende Gegenstück einer jeder Vergeistigung. Für Chinesen ist laut Kuratorin der chinesischen Positionen, Zoe Zhang, der menschliche Körper kein privater Verfügungsgegenstand, sondern eine gesellschaftliche Angelegenheit. „Transgressive Body“ und „Reincarnated Flesh“ sind zwei voneinander unabhängig funktionierende, in sich stimmige Ausstellungen und bilden zur gleichen Zeit eine ineinander verzahnte Einheit.
„Transgressive Body“ präsentiert unterschiedliche Positionen, wie Videos, Installationen, Malerei und Fotografien, um eine große Bandbreite (deutscher) heutiger Verhaltensweisen und ihre Auswirkung auf die zeitgenössische Kunst aufzuzeigen. Die deutschen Arbeiten zeugen von der Freiheit, die sich Menschen gegenüber dem eigenen Körper und ihrem unmittelbar mit ihm verbundenen Handeln nehmen, von der Überschreitung “natürlicher“ – oft im Sinne angeborener – Gegebenheiten: angefangen bei Transgendering über Tätowier- und Körperkunst bis hin zu Internet-Dating-Praktiken. „Reincarnated Flesh“, kuratiert von Zoe Zhang, untersucht einen sozio-historischen Körper durch die Linse von Politik, Wirtschaft, kulturellen Bräuchen, Technik und Geschlecht.
Die in der Ausstellung präsentierten Arbeiten muten teils naiv und verspielt, teils roh und hart an. Sollte man eine Einteilung vornehmen wollen, gehören die deutschen Positionen eher der dunklen, rauen Seite an, die chinesischen Arbeiten zeichnen sich durch ihr Streben nach buddhistischer Leichtigkeit und Leere aus. „Transgressive Body“ und „Reincarnated Flesh“ bringt zwei Kulturen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, in einen Diskurs miteinander.

Die Kuratoren

Zoe Zhang - chinesische Positionen „Reincarnated Flesh“ 
Als Kind einer Literatenfamilie wuchs Zoe Zhang von Kindesbeinen an mit großer Liebe zu Kunst und Literatur heran. In den späten 90ern arbeite Zhang als Kuratorin in der renommierten ShangART Gallery und gewann mit der Zeit ein tiefes Verständnis für zeitgenössische chinesische Kunst. Im Jahr 2004 nahm Zoe Zhang ihre berufliche Tätigkeit beim Shanghai Duolun Museum of Modern Art auf, eine teils staatliche, teils privat-wirtschaftliche Organisation. In 2005 gründete Zoe Zhang „Shanghai Is Art“ und kuratiert Ausstellungen, veranstaltet Charity-Events, Kunstauktionen und plant Film- und Fernsehkooperationen. www.shanghaiisart.com

Thomas Grundmann – deutsche Positionen „Transgressive Body“ 
Der 1970 in Köln geborene Künstler Thomas Grundmann absolvierte ab 1991 nach einem abgebrochenem Kunststudium eine Ausbildung zum Tätowierer. Nach Performances, diversen Einzelausstellungen und verschiedenen Ausstellungsbeteiligungen wird er 2005 für seine zeitgenössische Malerei mit dem „New Talent Award“ der Art Cologne ausgezeichnet. Im Jahr 2006 erscheint sein erstes Kunstbuch „Killing Philistines“, eine Dokumentation seiner bisherigen Werke. Im Oktober 2008 wird Grundmann bei der Kölner Kunstmesse „art.fair 21“ im Rahmen einer Solo-Show präsentiert.

Die Organisatoren

TEAPOT Gallery, Köln
TEAPOT vertritt kontroverse, internationale zeitgenössische Kunstpositionen. Energie und Zeit sind für den legendären Schweizer Kurator Harald Szeemann die Grundelemente des Lebens. Dieser Idee folgt TEAPOT und präsentiert energiegeladene, intensive Gegenwartskunst. TEAPOT-Künstler sind nicht nur in der Kunst zuhause, sondern stammen oft aus angrenzenden, kreativen Bereichen, beispielsweise der Fotografie, der Tätowierung und dem Modedesign. Den Programmschwerpunkt bilden Positionen, die herkömmliche Kunst- und Genregrenzen überschreiten.

Abteilung Kultur & Bildung, Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland, Shanghai
Die Abteilung Kultur und Bildung des Generalkonsulats nimmt in Shanghai die Aufgaben des Goethe-Instituts wahr. Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland.

Vernissage / Finissage

Vernissage
05. September 2008, 20.00 Uhr
Exhibition & After-Party
Begrüßung & Eröffnungsansprache: Dr. Manfred Luckas (freier Autor, tätig für Goethe – Institut Deutschland, Westdeutscher Rundfunk etc.)
Modenschau des Labels „Herr von Eden“, www.herrvoneden.com
Anschließende After-Party mit DJ Jackmate

Finissage
12. September 2008, 20.00 Uhr
Exhibition & After-Party
Show: „Kunst & Fashion an lebenden Models“, Rolf A. Kluenter
Anschließende After-Party

Kontakt

Wir würden uns sehr freuen, Ihr Interesse geweckt zu haben und stehen Ihnen bei Rückfragen jederzeit gerne zur Verfügung.
PR KOLLEKTIV
Ansprechpartner: Julia Essers
Brüsseler Str. 83
50672 Köln
Tel: 0221-55402697
Fax: 0221-9527535
julia.essers@pr-kollektiv.de
www.pr-kollektiv.de

Chinesisches Vorwort für Katalog (Chinese preface for catalogue): 尝试可以尝试的

Von Mark Benecke


世界变了。无论是在水中还是在地上,你都会真切地感受到:世界确实变了!甚至在空气中都能闻到改变的味道。许多往事随风而逝,现在已经没有人记得了。

Galadriel

 

尝试可以尝试的


转变是一个复杂的问题。 在四千年前创作的吉尔伽美什(传说中的苏美尔国王)史诗中,这位伟大的英雄无法理解朋友的死去:

吉尔伽美什站在朋友的尸体前,震惊而不解。

“是什么睡眠让你长眠不醒?你面色深沉,听不到我说话。


那么,当生命终止时会发生什么?我必定在他处延续。

 

埃及人相信,生命在死亡后完全不言自明。死者的灵魂将会离开原有的身体开始飘荡,没想到随后把飘荡的灵魂的说法转变成了幽灵鬼怪。

任何最终的转变,特别是在未完成且逗留不去时的转变,必定会对附于其现有身体和灵魂状态的东西造成严重的破坏。不寻求转变的人中规中矩地生活,不会犯任何过失,因为越界一步即是犯禁。 但要想冲破枷锁、探索外界(即领悟真谛),又必须迈出这一步。真是诱人的烦恼!

Pope Benedict 多年前宣称:人体的罪孽太深,无法洗清,只能钉在十字架上。美术馆馆长 Thomas Grundmann 是一位淡泊宁静的绅士,他也同意 Pope Benedict 的观点,其原因很可能就是这种无法判定、让人焦虑的状况。

有这样一句格言:“人有越界的倾向”。

不了解真理的痛苦在越界前后(即获取知识前后)同样强烈。当你找到真理时,你可能会处于严重的危险中,甚至可能受到上帝或先知们的惩罚。但是,谁又愿意只满足于不可靠的同伴给你解答而不深入去探求呢?

我的工作是司法鉴定,我每天都在做这样的分解,但知识的判决放之四海而皆准。 从自然科学的角度来看,与逾越雷池相比,固守观念和信仰是罪孽更加深重的 ,而非 

因此,夏娃是第一实验科学家。 她知道当她将青苹果递给亚当时会发生什么。夏娃实际上做了每个人都想做的:尝试可以尝试的。

有一种近乎奇谈怪论的解释:许多去教堂做礼拜的人都有一种想转变更多一点的想法。他们认为,在上帝的晚餐中,面包(在德国由可食用的纸构成)和酒(现在经常用葡萄汁代替)实际上变成了耶稣的肉和血。


这听起来像一种罪过,是犯禁的玩笑。但它引起了基督教中最激烈的一场斗争,特别是在通常更加理性的新教教堂。Whilst Zwingli 和 Calvin 认为,圣餐只是一种象征性的行为,马丁·路德在《最后的晚餐》中将其文字化了。他声称,在弥撒圣祭期间,耶稣确实提供了面包和酒 -- 他不是一种观念,而一个实实在在的人,因为耶稣声明: “这是我的身体”(马太福音 26:26,马可福音 14:22,路加福音 22:18 等)。

“变体说”在逻辑上明显有两个错误。 一是肉和血的消耗使信徒同类相残,这不可能是耶稣所期望的。二是耶稣手中的面包,当他在最后的晚餐中说完上面的话后,并没有变体。究竟是怎么回事? �既然宗教的诠释通常让人胡思乱想,既然死亡和宗教让我们更加迷惘(至少不是在日常生活中),那么变体本身就无法捉摸。

一个是变体的起源 – 像以前只有幽灵;和不死生物,可以变体,并且无限强大。根据其变体状态,大多数是邪恶的。这也是变体的代价(和名称的由来)。它与早期的宗教动机完美契合。


虽然离禁区尚远但在慢慢渗透的是人类(与机器相对)身体的变性。金钱、时代精神和机会正在建立心理确认的变性手术基础。 但过程将变为想体验不同性别感觉的其他人的越轨选择。想要赌一把吗? 与此同时,有一些色情影片的情节几乎让人无法理解。

你不喜欢这些吗?好,不舒服的感觉正是我们应该去习惯的感觉。

请欣赏影片。


Mark Benecke(马良)

鉴定生物学家


(亚洲读者附注:请谅解,这是纯西方化的关于违禁的影片,源于柏林的展览点。

欧洲读者附注:“马良”是中国的人名,他画的动物能够立即变成活的。马良的故事具有深刻的寓意,在中国人人皆知。)


Abb. 1:

吉尔伽美什史诗的一个片段。其中:大洪水的故事,采用古阿卡德语。这场大洪水在印度教义、希腊神话和圣经中也有所提及。

Abb. 2:

2004 年 4 月意大利那不勒斯天主教的血液奇迹。Saint Januarius 像凝胶一样的血变成了液体状态(然后又变回原状)。这种转变不会被视为离经叛道(罪孽),而是鼓励天主教徒坚守信仰的奇迹。摄影:M. Benecke

Abb. 3:

2007 年的这部影片拍摄了变性人,获得三项奥斯卡金像奖提名,但没有获奖。

Abb. 4:

Buck Angel 是一个女变男的变性人,即使外貌像男人,但是还是决定保留自己的阴道。他声称要通过影片 “Big Boob Adventures” 来“改变色情作品的历史”,他是电影历史上第一个做了变性手术的男演员。这部超级搞笑喜剧演绎了一个持续多个的主题,并且在 2007 年帮助他赢得了 AVN 奖。

 

 

Preface for Catalogue (English)

Von Mark Benecke


The world has changed. I feel it in the water. I feel it in the earth. I smell it in the air. Much that once was is lost for none now live who remember it.

Galadriel

 

Try What Can Be Tried


Transformation is a tricky issue. In the epic of Gilgamesh (Sha naqba īmuru), written four throusand years ago, the hero does not understand how the body of the heroe’s friend could die:


Gilgamesh, stunned, stands before his dead friend:

“What kind of sleep is it that seizes you now? You look dark and you don’t hear me.”


So then -- what happens when life ends? I must continue elsewhere.


The Egyptians believed life after death to be entirely self-evident. The soul of a mummified person was however losely attached to the old body. No wonder that later on, people transformed the idea of floating souls into that of ghouls, ghosts and specters.

Any transformation of the final kind, especiall if uncomplete and lingering, must play havoc to those who are clinging to their established states of body and soul. Non--transformed persons have the benefit of living without sin because any step over the edge is transgressive. Yet, that step is necessary to find out what goes on outside of the box -- that is, to become enlightend. A tempting twist.

Such an undecidable and spiritually unpleasant situation is probably the reason why the curator of the art exhibition and this catalogue -- Thomas Grundmann, a gentlemen with loosened screws -- agrees with today’s Pope Benedict who stated some years ago that you cannot sanctify the sinful flesh but only crucify it.

And there you have it: The motto of “Transgressive Bodies”.

The pain of not knowing things is as strong before and after transgression, that is, before and after aquisition of knowledge. You may be in severe danger once you find out truth, and you may even be punished by gods or who knows whom. Yet, still, who wants to live without deeper answers than the ones given by your fellow yet distrusted peers?

I am doing such splits in my field of work, forensic sciences, on a daily basis but the doom of knowledge is universally valid. From the perspective of natural sciences, it is more sinful not to cross borders than to remain in one’s box of thoughts and beliefs.

Eva, therefore, was the first experimental scientist. She knew what would happen when she handed Adam the damned apple. Doing so, Eva did what everybody wants to do once in while: try out what can be tried.

In a bizarre interpretation, many Christian churches take the idea of transformation a bit futher. They support the view that during Lord’s Supper the “bread” (which in Germany is composed of edible paper) and the wine (nowadays often substituted by grape juice) actually transform into the true flesh and blood of Jesus Christ.

This sounds like a sinful, i.e. transgressed joke. Yet it sparked one of the most intense battles in Christianity, especially in the usually more rational protestant churches. Whilst Zwingli and Calvin thought that Eucharist is a mostly symbolic act that is performed in the memory of the Last Supper, Martin Luther took it literal instead. He claimed that during a holy mass, Christ is truly present in bread and wine -- not as an idea, but as a person, based on Jesus’ statement: “This is my body” (Matthew 26:26, Mark 14:22, Luke 22:18 etc.).

There are of course two logical flaws in the transsubstantiation doctrine. One is that the consumption of flesh and blood makes Christians cannibals which cannot be desirable. The other is that the bread in the hands of Jesus Christ, when he spoke the above words during the Last Supper, did not transmutate. How is that?

Since religious constructions tend to get head-in-the-clouds anyways, and since death and religion do -- at least not in daily life -- mystify us any more, transformation poured itself into new vessels.

One is the genesis of transformers -- shmock machines that, like formerly only ghosts and other undead emanations, can shapeshift, and are immensly powerful. Depending on the state of their transformation, most of them are evil. This is, again, the price (and the name) of the transformation game. It corresponds beautifully with the older, religious motif.

Still very much on the edge yet dripping in slowly are body transformations in humans (not robots, I mean). Money, zeitgeist and opportunity are building the base for what started with operations on psychologically confirmed transsexuals. The procedure will however become a transgressive option for other clients who want to experience how a different body scheme might feel. Wanna bet? Meanwhile, we are in the entertaining situation that some porn movies have such difficult plots that it is close to impossible to follow.

You don’t like any of this? Well, feeling uncomfortable is what we should better get used to.

Enjoy the show.


Mark Benecke (Maliang)

Forensic Biologist


(Note to Asian readers: Please excuse this purely Western view on transgression. It is due to the location of the exhibiton, Berlin.

Note to European readers: “Maliang” is my Chinese given name. Maliang was a boy who drew animals that came alive. The story has a fine punchline and is known to everyone in China.)


Abb. 1:

A tablet of the Gilgamesh epic. Here: Story of the Great Flood (the Deluge), in Akkadian language. The Deluge is also mentioned in Hindu paranas, Greek mythology, and the bible.

Abb. 2:

Blood miracle in catholic Naples (Italy) in April 2004. The gel-like, alleged blood of Saint Januarius transforms into a liquid state (and back). The transformation is not considered to be transgressive (sinful) but a miracle that encourages Catholic’s faith. Photo: M. Benecke

Abb. 3:

Transformers as seen in the movie from 2007. The film was nominated for three Academy Awards yet won none.

Abb. 4:

Buck Angel is a genetic woman and decided to keep his vagina even though he looks like a man. He claims to -- and did -- “change the history of porn” with the movie “Big Boob Adventures” in which he has the first scene in movie history with a male who is operated exactly vice versa. This topped manga comic books in which the motif was present for several years already and earned him an AVN award in 2007.

 

 

Deutsches Vorwort für Katalog (German preface for catalogue)

Von Mark Benecke
 

Die Welt hat sich verändert. Ich spüre es im Wasser, ich fühle es in der Erde, ich kann es in der Luft riechen. Vieles von dem, was einst war, ist verloren, und niemand, der sich noch erinnert, lebt mehr. 

Galadriel


Versuchen, was versucht werden kann


Transformation ist eine verzwickte Sache. Im Gilgamesch-Epos (Sha naqba īmuru), das vor 4000 Jahren niedergeschrieben wurde, versteht der Held nicht, warum der Körper seines Freundes sterben kann:

Gilgamesch steht fassungslos vor seinem toten Freund:

“Was ist das nun für ein Schlaf, der dich gepackt hat?
Finster siehst du aus und hörst mich nicht mehr!"


Was passiert, wenn ein Leben endet? Es muss wohl anderswo fortbestehen.

Die Ägypter glaubten an ein Leben nach dem Tod. Die Seele einer mumifizierten Person war aber noch lose mit dem alten Körper verbunden. So wandelten die Menschen die Vorstellung einer schwebenden Seele später in die von Geistern und Gespenstern um.

Jede Transformation der finalen Art, insbesondere wenn sie nicht vollständig und dauerhaft erfolgt, muss diejenigen zerstören, die an ihrem alten Zustand von Körper und Seele festhalten wollen. Nicht-transformierte Personen haben zudem den Vorteil, dass sie ohne Sünde leben können, da jeder Schritt über den Abgrund hinaus sündig ist. Dennoch ist die Grenzüberschreitung notwendig, um herauszufinden, was außerhalb der bekannten Welt ist - das heißt, um erleuchtet zu werden. Ein verlockendes Spiel.

Eine solche unentscheidbare und geistig unerfreuliche Situation ist möglicherweise der Grund, warum der Kurator der Kunstausstellung und dieses Katalogs — Thomas Grundmann, ein Gentleman mit losen Schrauben — Papst Benedikt zustimmt, der vor einigen Jahren erklärte, dass man das sündige Fleisch nicht reinigen, sondern nur kreuzigen könne.

Und das ist auch der Leitgedanke von “Transgressive Bodies”.

Der Schmerz der Unwissenheit über die Dinge ist vor und nach der Transgression gleich stark; das heißt, vor und nach dem Erlangen von Erkenntnis. Wir können sogar in ernsthafte Gefahr geraten, wenn wir eine Wahrheit herausfinden — oder sogar von den Göttern oder von sonst jemand bestraft werden. Dennoch sollte niemand ohne Antworten leben müssen, die tiefer gehen als die, die Ihnen Ihre Mitmenschen geben (denen Sie hoffentlich eh misstrauen).

Aus dem Blickwinkel der Naturwissenschaften ist allerdings die größere Sünde, nicht die Grenzen zu überschreiten, als hinter ihnen im eigenen Denken und Glauben zu verharren.

Eva war daher die erste experimentelle Wissenschaftlerin. Sie wusste, was passieren würde, wenn sie Adam den verfluchten Apfel übergeben würde. Damit tat sie das, was jeder ruhig einmal tun sollte: versuchen, was versucht werden kann.

In einer skurrilen Interpretation weiten viele christliche Kirchen die Vorstellung der sündigen Transgression weiter aus. Sie nehmen an, dass sich das "Brot" (das in Deutschland meist aus Esspapier besteht) und der Wein (heute vielfach durch Traubensaft ersetzt) während des Abendmahls tatsächlich in das echte Fleisch und Blut von Jesu Christi verwandeln.

Das klingt wie ein absurder Witz. Und doch setzte es einen der heftigsten Kämpfe der Christenheit in Gang, insbesondere in den rationaleren protestantischen Kirchen. Während Zwingli und Calvin meinten, dass die Eucharistie eine symbolische Handlung sei, die in Erinnerung an das Abendmahl ausgeführt werde, nahm Luther die Umwandlung dabei sehr wörtlich. Er meinte, dass Christus während einer heiligen Messe wahrhaftig in Brot und Wein anwesend sei — nicht nur als Vorstellung, sondern als echte Person: “Dies ist mein Leib” (Matthias 26:26, Markus 14:22, Lukas 22:18 etc.).

Es gibt aber zwei Schwachpunkte in dieser Doktrin der Transsubstantiation. Der eine ist, dass der Verzehr von Fleisch und Blut die Christen zu Kannibalen macht, was nicht gerade wünschenswert ist. Der andere ist, dass sich das Brot nicht verwandelte, als Christus es in der Hand hielt und die oben zitierten Worte während des Abendmahls sprach. Wie geht das?

Da religiöse Konstrukte oft sowieso abgehoben sind, und da Tod und Religion, zumindest im täglichen Leben, für uns keine Geheimnisse mehr darstellen, kommt das Transformative nun in neue Gewändern daher.

Beispiele dafür sind Transformationsmaschinen, die unermesslich stark sind — wie früher Geister und andere untote Emanationen. Diese Transformers sind meistens böse: der bekannte Preis für die (und das A & O der) Umwandlung. Das entspricht dem viel älteren, religiösen Motiv der sündhaften Grenzüberschreitung.

Noch langsam, aber immer unaufhaltsamer im Kommen sind auch Körpertransformationen von Menschen. Geld und Zeitgeist ermöglichen dabei das, was mit Operationen an von PsychologInnen bestätigt Transsexuellen begann. Solche Umwandlungs-Operationen werden künftig eine Möglichkeit der Transgression für Menschen werden, die erleben möchten, wie es sich in einem anderen Körper anfühlt. — Derweil gibt es in einigen Porno-Filmen ein solch verzwicktes Gender- und Körperumwandlungs-Gerüst, dass man nicht mehr ganz mitkommt. Das ist lustig und sündhaft. Eigentlich eine schöne Kombination.

Die ganze Umwandelei gefällt Ihnen nicht? Gewöhnen Sie sich besser daran: Es wird noch viel ungemütlicher werden. Viel Spaß in der Ausstellung!
 

Mark Benecke (Maliang)

Kriminalbiologe
 

(Anmerkung für Leser aus Asien: Entschuldigen Sie bitte diese rein westliche Sicht der Transgression. Sie ist durch den Ort der Ausstellung in Berlin begründet.

Anmerkung für europäische Leser: “Maliang” ist mein chinesischer Name. Maliang war ein kleiner Junge, der Tiere zeichnete, die zum Leben erwachten. Die Geschichte hat eine hübsche Pointe und ist in ganz China bekannt.)
 

Abb. 1:

Eine Tafel des Gilgamesch-Epos. Hier: Geschichte der großen Flut in akkadischer Sprache. Die Flut wird ebenfalls in den hinduistischen Paranas, in der griechischen Mythologie und in der Bibel erwähnt.

Abb. 2:

Blutwunder im katholischen Neapel (Italien) im April 2004. Das geleeartige vermeintliche Blut vom heiligen Januarius wird flüssig (und wieder fest). Diese Transformation wird nicht als sündhaft betrachtet, sondern als Wunder, das den Glauben der Katholiken bestärkt. Photo: M. Benecke

Abb. 3:

Transformers in einem Spielfilm aus dem Jahr 2007. Der Film wurde für drei Academy Awards nominiert, gewann aber keinen.

Abb. 4:

Buck Angel ist genetisch betrachtet eine Frau und entschied sich dafür, seine Vagina zu behalten, obwohl er mittlerweile ganz und gar wie ein Mann aussieht. Mit dem Film “Big Boob Adventures", in dem er mit einem transsexuellen Mann auftritt, der aber seinen Penis behalten hat, schrieb er (ungewollt) Porno-Geschichte: Beide Darsteller hatten eine Geschlechtsumwandlung durchgeführt — abgesehen von den Geschlechtsorganen... Das übertraf selbst Mangas, in denen dieses Motiv schon länger aufgetaucht war, und brachte Buck Angel im Jahr 2007 einen AVN Award ein.

Zu viel Lob ist auch nicht gut

Quelle: Bianca Stücker: Zu viel Lob ist auch nicht gut!: Ansichten einer Anachronistin. Books on Demand, ISBN 3738635815 , 2015

Vorwort von Mark Benecke

Vorrede I

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»Die anderen Damen tanzen, aber Frau Doktor Stücker sieht aus, als ob sie in Pfützen hüpft«, meldete meine Freundin Lisa, Chefin des Malsaales des Staatstheaters Stuttgart, nachdem sie das Video der in einer Bühnengruppe tanzenden Frau Stücker gesehen hatte. Wie die Doctora tanzt, so schreibt sie auch: Hüpfend.

Nicht mit dem ganzen Körper, aber mit dem Geist. Denn der sucht sich – er ist ja auch in Hamm in Westfalen eingesperrt – selbst in den kleinsten Dingen seine Wunderlichkeiten, Wundersamkeiten und ... Wunder. Die daraus entstandenen Kolumnen, die Frau Stücker seit vielen Jahren für das regionale Blatt »WILLI« verfasst, sind unheimlich nah und doch sehr fern. Im Kleinkosmos der neuerdings wieder im Guten so genannten ›Heimat‹ reißt nicht das Gefälle zum Fleisch essen an sich oder Sprüchekloppen über schlechte JägerInnen beim Ausflug ins vegane Restaurant ein Loch in die betongraue Wirklichkeit, sondern loriotsche Kommunikationsgrotesken, die auch in jedem anderen Restaurant entstanden wären.

Das Ganze ist dabei so fein und kurzromanhaft destilliert wie ein täglicher Zeitungscomicstrip. Das Personal darin kann jederzeit wiederkehren, und die Reisen gehen höchstens mal nach Oberhausen, Stade und zum örtlichen Hausarzt. Doch niemals, kein einziges Mal, schleichen sich dabei fade Witze oder flache Unbedachtheiten ein. Frau Stücker hüpft stattdessen wie in Pfützen zwischen einer großen Margherita, einer kleinen Kneipe und Blumentöpfen mit Strom umher.

Warum die Kolumne »Ansichten einer Anachronistin« heißt, weiß Frau Stücker selbst nicht mehr. Sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste. Dennoch: Wenn es früher mal so luftig, lustig, leicht und einschmeichelnd irre zuging wie in den von Frau Doktor geschilderten Welten, dann wäre ich gerne ein Anachronist.

Wie schön, dass es sie hier gibt: Gute Geschichten mit Charme und Meise.

Mark Benecke

August 2015

Kochen ohne Knochen: Lebensfeundliche Umstaende

Quelle: Kochen ohne Knochen Magazin 3/2016 (Heft Nr. 24), Seiten 10 bis 15

Lebensfreundliche Umstände
Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke im Interview

VON JOACHIM HILLER

 

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Mark Benecke ist Kriminalbiologe und ergründet als solcher, oft im Auftrag von Angehörigen, ungewisse Todesumstände. Und er ist Kölner, war zuletzt sogar Oberbürgermeisterkandidat in seiner Heimatstadt. Und er ist vortragsreisender. Und Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein- Westfalen von "Die ParteiII. Und Talkshowgast. Und gefragter Interviewpartner für Funk und Fernsehen, wenn es um Leichenfunde geht. Und Autor diverser Bücher. Und Entwickler von Experimentierkästen für Kinder. Und Mitglied im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Und Vorsitzender des Vereins ProTattoo. Und Musiker. Und Präsident der Transylvanian society of Dracula. Und veganer. Und noch vieles andere. Und ein superguter Typ, den ich in seinem Kölner Büro besuchte, um über ein paar Aspekte seines so umtriebigen Lebens zu reden.

Mark, du bist ständig unterwegs - als Dauerreisender in Sachen ... ja was eigentlich?

Meine Frau Ines und ich sowie Tina, die auch zum Team gehört, vermischen alles. Gerade waren wir bei einer PeTAVeranstaltung zum Thema Verbandsklagerecht, aber das hat für mich die gleiche Wertigkeit, wie wenn ich hier im Büro an diesem Tisch sitze mit den Angehörigen eines toten Menschen. In beiden Fällen geht es darum, in dem kleinen Bereich, den ich selbst beeinflussen kann, etwas voranzubringen. Im Grunde geht es um Menschlichkeit, wobei ich eher vom Bemühen spreche, lebensfreundliche Umstände zu schaffen.

Und dafür gibt es verschiedene Optionen: einerseits klassische kriminalbiologische Fallarbeit, andererseits beispielsweise Hilfe beim Aufbau und Betrieb eines DNA-Labors auf den Philippinen. Oder auch indem ich Menschen dabei helfe, zur Klärung der Todesumstände eines Angehörigen Kontakt zu Journalisten zu bekommen. Oder ich bin unterwegs, um Spuren einzusammeln. Oder ich fahre zum Lesen nach London in die Bibliothek der Linnean Society of London, die sich nach dem schwedischen Gelehrten Carl von Linne benannt hat, der erstmals all die Pflanzen und Tiere in der heutigen Form benannt hat.

Da stehen viele alte Bücher, die ich teils restaurieren lasse. Ich fühle mich eben auch dem Bewahren des Wissens verpflichtet, denn sehr viele Bücher sind und werden nicht digitalisiert; dieses Wissen geht potenzieIl verloren. Um auf deine Frage zurückzukommen: Spuren, Menschen, Tiere, Bücher, das ist mein Spektrum.


Und dazu muss man auch im digitalen Zeitalter noch reisen?

Das geht gar nicht anders. Im Herbst erscheint mein nächstes Buch, da geht es um Fälle von Menschen, die aus den Augen bluten, was als christliches Wunder gilt, oder um Menschen, die sich ans Kreuz nageln lassen. Dazu muss ich Experimente machen, Ines etwa musste sich Blut aus den Augen laufen lassen, damit ich festhalten kann, welche Spuren das hinterlässt.

Und das gleiche ich dann mit echten Fällen ab, schaue mir vor Ort an, wie das aussieht, wenn Blut an Kacheln herunterläuft, im Vergleich zu Haut, und so weiter. So was muss man einfach selbst machen, ganz kindlich einfache Fragen stellen.


Das klingt für mich so, als ob du ein Universalgelehrter alter Schule bist ...

Ich denke bei dem Begriff an Menschen wie Alexander von Humboldt oder Charles Darwin, und die kannten sich mit dem Wissenschaftskanon seit Aristoteies aus. Gesteine, Mineralien, Geografie, Botanik, Zoologie, und so weiter. In Botanik, Geografie und Geologie bin ich aber sehr schwach, dafür kenne ich mich besser in Medienarbeit aus, weiß, wie man in Schulen Vorträge hält oder wie man mal "undercover" in irgendwelchen Kontexten agiert.

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Ich glaube, Ingrid Newkirk von PeTA fragt sich seit Monaten, was dieser Mann mit dem Batman-Sammelbild-Heftchen eigentlich von ihr wollte ... Insofern sehe ich mich nicht als Universalgelehrter, aber ich frage viel. Ein Freund ist Astrophysiker, und den habe ich jüngst wie so ein kleines Kind gefragt, wie es sein kann, dass in sehr alten Galaxien noch neue Sterne entstehen. Das hatte ich gelesen und wollte es erklärt haben. Da hatte dann selbst er spontan keine Antwort parat und musste sich informieren.


"Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?" Dieses Zitat könnte man auch auf dich anwenden angesichts der verschiedensten Rollen, in denen man dich erleben kann.

Diese Frage stelle ich mir nie, ich bin total zentriert. Ich bin wie eine Eiche, alles ist langsam gewachsen. Auf meinem Facebook-Profil etwa wird das aber manchmal nicht verstanden. Mein neues Musikvideo war in den Alternative-Charts auf Platz eins, und da kommen dann so Kommentare wie: "Mark, das ist aber ungewöhnlich, eigentlich bist du doch Kriminalbiologe!"

Oder ich schreibe was zum Thema Veganismus dann heißt es, das seien "sektenhafte Bekehrungsversuche" - nur weil ich ein Video eingestellt hatte, das zeigt, wie mich der vegan lebende stärkste Mann der Welt hochhebt. Was hat das denn mit Bekehrung zu tun? Aber ich habe mit solchen Anfeindungen kein Problem, so wie eine alte Eiche Kriege und Frieden, Liebe und Hass, Groß und Klein an sich hat vorbeiziehen sehen. Mir ist nichts egal, aber ich weiß, wo mein Zentrum ist. Und zum Glück ist Ines genauso.


Es ist also ein Problem der Außenwahrnehmung von Menschen, die dich jeweils nur in einer bestimmten Rolle kennen lernen.

Genau. Da wird man dann zur Projektionsfläche anderer. Ich bin ja schon lange in der Grufti-Szene aktiv; halte Vorträge auf dem alljährlichen Wave Gotik Treffen in Leipzig. Da regen sich dann Menschen darüber auf, warum da einer, der aus dem Fernsehen bekannt ist, auftreten muss. Andere nehmen das zur Gelegenheit, über psychische Auffälligkeiten oder Depressionen reden zu wollen, und so weiter.

Das finde ich gut, aber wenn man da nicht aufpasst, kann man schnell von einer Gruppe vereinnahmt werden. Speziell, wenn man mich über meine TV-Auftritte wahrnimmt als einen, "der die Welt gut macht und die Bösen bekämpft". Da kann ich noch so oft sagen, dass ich nicht die Bösen bekämpfe, sondern höchstens dazu beitrage, dass die Bösen nicht wieder böse werden. Vor allem aber versuche ich, die Wahrheit darzulegen, und danach muss die Gesellschaft entscheiden, was sie mit der Wahrheit macht. Genau da lasse ich mich von niemanden einvernehmen, da bekommt ein HeIls Angel von mir das Gleiche zu hören wie ein Staatsanwalt.


Meine Projektionsfläche ist dein früher vegetarischer, mittlerweile veganer Lebenswandel. Als ich dich vor einigen Jahren schon einmal interviewte, lebtest du "nur" vegetarisch, wurdest dann vegan, hast aber bis vor kurzem noch deinen geliebten schwarzen Ledermantel verteidigt. Nun bekennst du: "Ich habe mich entledert" Wie kam es dazu?

Stimmt, das Leder ist weg, und das ist auch gut so. In Bezug auf Jahre oder Jahrzehnte getragenes Leder frage ich mich aber immer noch, ob es von der Ökobilanz her anders zu werten ist als etwa Kunstleder, das bei der Herstellung vielleicht auch vielen Tieren schadet. Es gibt auch in der Tierrechtsszene eine utilitaristische Richtung, die argumentiert, dass man mit Woll- und Lederprodukten möglicherweise in der Ökobilanz besser abschneidet, wobei die Ökobilanz nicht alles ist.

Aber das würde dann auf eine Argumentation hinauslaufen a la "Es wird zwar ein Tier für die Kleidung gequält, dafür geht es den Menschen besser". Und es stellt sich die Frage, wie gehen überhaupt die Menschen miteinander um? Es gibt ja auch die philosophische Behauptung, durch Tierschutz würde man üben, sich auch Menschen gegenüber gut zu verhalten. Dieses Eis, auf das man sich mit solchen Argumentationen begibt, ist mir zu dünn. Ich habe nach und nach begonnen, nachzuvollziehen - wobei ihr mir übrigens geholfen habt -, dass es aus Genussgründen überhaupt kein Problem ist, beim Essen auf Tierprodukte zu verzichten und auch Käse und Eier wegzulassen.

Zudem habe ich gelernt, wie leicht es ist, auf pflanzliche Weise Tierprodukte "nachzubasteln", etwa mit "Eischnee" auf der Basis von Kichererbsenwasser. Vegan zu leben ist sehr einfach, das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Und der andere ist, dass mir das mit den Tieren irgendwann wehgetan hat, ich habe es einfach gerafft. Also etwa wie mit den Kühen in der Milchviehhaltung umgegangen wird. Wenn man das einmal tief ins Herz hat einsickern lassen, muss man auch mit den Konsequenzen leben.

Ich weiß, dass man sich mit dem Holocaust-Vergleich bei der TierhaItung angreifbar macht, aber in gewisser Weise ist das für mich schon schlüssig, gerade angesichts der jüngsten Gerichtsverfahren gegen KZ-Wachleute. Die sind bis zum Schluss unfähig' den Schleier der Erkenntnis, was sie da getan haben, wegzuziehen, denn wenn sie das täten, wie sollten sie dann weiterleben? Und in gewisser Weise ist es auch dieser Schritt, den man tun muss, wenn man Tierprodukte verwendet. Kann ich meine blöde Lederhose weiterhin anziehen, wenn ich mir die Schmerzen der Tiere vergegenwärtige?

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Der Horror, der über einen hereinbricht, wenn man sich eingesteht, was da mit den Tieren passiert! Und dann noch all die Konsequenzen, die Tierprodukte für Klima und Umwelt haben. Erst gestern habe ich gehört, dass 51% aller klimarelevanten Treibhausgase aus der Tierwirtschaft stammen. Wenn das stimmt, ist es alternativlos, auf eine pflanzenbasierte Wirtschaft umzustellen. Es würden dabei nicht mal Arbeitsplätze verloren gehen, aber es würde die Welt angenehmer und langlebiger machen.


Wie bist du zu dieser sachlichen Sichtweise gekommen?

Wir haben hier im Büro bedingt durch unsere Arbeit mit Angehörigen von Verstorbenen bei einem Psychoanalytiker Supervision gemacht. Denn wir erleben es immer wieder, dass wir mit Angehörigen zu tun haben, die den sachlich richtigen Schritt nicht machen können, den Tod des Angehörigen zu akzeptieren, trotz klarer Fakten zur Todesursache. Und nach zwei Stunden Gespräch sagte der Psychoanalytiker nur: "Lassen Sie die Leute in Ruhe! Die können das nicht, weil die das nicht können."

Wenn sie sich der Erkenntnis stellen würden, würden sie verzweifeln, von der Brücke springen. Sie brauchen das Konstrukt, das sie sich zurechtgelegt haben, um weiterleben zu können. Ich wollte nicht so sein, sondern sachlich richtige Schritte machen. Zum Beispiel war der Sessel hier drüben mit Leder bezogen. Ich hätte argumentieren können, dass das Tier sowieso schon tot ist und ich den Sessel nutze, bis das Leder durchgewetzt ist. Stattdessen ging ich zum Polsterer um die Ecke und ließ den neu beziehen, mit Stoff. Und jetzt bin ich glücklicher.


Woher kommt die Verweigerung der Einsicht in die Ursachen und Konsequenzen des eigenen Tuns, auch wider besseres Wissen?

Melanie Joys Theorie des Karnismus ist eine Art, das zu erklären. Ich hingegen hatte ja vorher schon kein Fleisch gegessen, da musste ich nicht überzeugt werden. Nun lese ich Statistiken, Daten und Zahlen berufsbedingt nicht nur, sondern prüfe sie auch, was im Gegensatz zur Physik in meinem Bereich, der Biologie, eine andere Bedeutung hat, denn bei uns sind die Daten nicht so "hart". Ich wusste also von der Datenlage her längst, was Sache ist, nur verweigerte ich mich, den entscheidenden Schritt zu tun, die Schwelle der Erkenntnis zu überschreiten, wissend, dass mir dann die ganze Höllenhitze ins Gesicht schlägt.

Dabei führt angesichts des Klimawandels kein Weg mehr an einem Umschwenken zu pflanzlicher Ernährung vorbei. Jetzt wird schon über die Anzahl der Flüchtlinge gestöhnt, aber was wird erst sein, wenn in den nächsten Jahrzehnten Länder wie die Niederlande und Bangladesh absaufen? Mit diesem Wissen ist klar, dass man allmählich mal die Autos stehenlassen und auf pflanzliche Ernährung umsteigen sollte, denn sonst ist es schnell zu spät. Und dafür müssen Leute wie du und ich eintreten.

Ich hörte neulich in Berlin einen Vortrag von einem Menschen von einem Schweizer Thinktank, der sagte, mit dem eigenen veganen Leben sei noch nichts erreicht. Um wirklichen Wandel zu erreichen, müsse man aktiv andere Menschen von dieser Lebensweise überzeugen und zudem die Hälfte seines Einkommens für diesen Zweck spenden. Und er sprach nicht von "Missionieren", sondern davon, Verbände und Organisationen zu unterstützen, die wissenschaftliche und politische Fakten liefern können.

Um nun final auf deine Frage nach meiner Motivation zu antworten: Ich wollte mir nicht mehr länger zusätzlich zu all dem menschlichen Leid, mit dem ich beruflich zu tun habe bin, auch noch das Tierleid auf die Schultern laden. Meinen Ledermantel habe ich übrigens im Internet versteigert und das Geld gespendet. Ich fühle mich jetzt tausendmal besser.


Du argumentierst mit Tierrechtsgründen und Umweltschutz, andere leben rein aus gesundheitlichen Gründen vegan.

Ich finde es überhaupt nicht okay; auf solche Menschen herabzuschauen. So etwas ist total"kleingärtnerisch". Letztlich haben gesundheitsbewusste Menschen die gleichen Motive: Sie fühlen sich mit dieser Ernährung besser, es passt zu ihren Werten, und sie tun das Richtige. Was kann daran verkehrt sein?


Du trafst kürzlich Ingrid Newkirk von PeTA. Wie empfandest du diese Begegnung?

Sie hat mich ganz unerwartet sehr beeindruckt, besonders ihre tiefe Weltfreundlichkeit, ihr Eintreten für eine schöne, freundliche Welt, in der man auch für das Gute kämpft, und ihre Milde. Ich mag keine Vorbilder, aber dieses Treffen war bewegend und richtungsweisend.


PeTA ist in der veganen Bewegung durchaus umstritten, manche Kampagnen werden als populistisch und sexistisch kritisiert.

Ingrid Newkirk hat dazu wohl mal sinngemäß gesagt, dass alles okay ist, was die Aufmerksamkeit in die richtige Richtung lenkt. Ich persönlich würde das nicht tun, mein Weg ist der, durch freundliches, leichtfüßiges Vorleben zu überzeugen. Die Frage ist, wer am Ende des Tages mehr erreicht hat, und das wird wahrscheinlich PeTA gewesen sein und nicht ich. Aus meiner täglichen Arbeit mit meinen Klienten weiß ich allerdings, dass man bisweilen eine Ramme braucht, um - im übertragenen Sinne - die Tür aufzukriegen.

So eine Ramme ist das Verbandsklagerecht, und damit können eben nur große Verbände arbeiten. Was nicht heißt, dass damit kleine Verbände und Vereine unwichtig sind, denn beispielsweise Tierheime können viel für die Tierliebe und damit auch Menschen- und Weltliebe tun - die muss es auch geben. PeTA ist manchmal das schwarze Schaf oder ein krakeeliges Kind, aber es geht nicht anders. Außerdem sind 95% der Arbeit von PeTA leise und im Hintergrund. Und im persönlichen Umgang sind die MitarbeiterInnen, das ist meine Erfahrung, mega angenehm. PeTA gehört zu denen, die die Welt schützen.


Was sagt es über einen Menschen aus, wenn er bereit ist, für das "Gute" einen nennenswerten Teil seiner Zeit einzusetzen? Warum ist dir das wichtig, warum treibt dich das um? In der Zeit könnte man doch auch dösend auf dem Sofa sitzen.

Bei mir ist es eine Charakterfrage. Ich bin etwas autistisch, ich mag es nicht, wenn unwahre Dinge als wahr hingestellt werden. So wie vor Jahren in dieser TV-Talkshow: wo die Herren von der Fleischindustrie einfach die Unwahrheit gesagt haben, während ich daneben stand. Ich möchte solchen Arschlöchern sagen können, dass sie lügen, also eine bewusst unwahre Aussage machen. So was regt mich auf!

Und so gerne ich schlafe, habe ich einfach keine Lust herumzusitzen und nichts zu tun, da wird mir langweilig. Ich kämpfe für Wahres, damit mir nicht langweilig ist, wobei mir die Wahrheit immer wichtiger ist als das Gute. "Gut" ist eine Definitionssache.


Bei dem Talkshowauftritt bei "Hart aber fairll hat mich beeindruckt, wie ruhig und sachlich du geblieben bist.

Ich kann gar nicht anders, das ist wohl das Aspergerisch-Autistische an mir. Neulich haben wir ein Video gedreht, wo ich Hass-Kommentare auf der PeTA-Facebook-Seite kommentieren sollte, und hinterher waren alle um mich herum überrascht, wie sachlich ich auf diese Kommentare eingegangen bin. Dabei hätte ich gar nicht anders gekonnt. Ich kenne es aus meiner Arbeit nicht anders, als dass man auf jeden Einwand, egal wie hirnverbrannt er auch scheinen mag, sachlich eingeht. So ist mein Charakter.

Sagt zu mir jemand: "Du als Veganer isst meinem Essen das Essen weg", dann antworte ich ganz sachlich, dass es Zeiten gab, da haben die Leute wirklich Gras gegessen, weil es nichts anderes mehr gab. Das war 1816, das "Jahr ohne Sommer", als wegen eines Vulkanausbruchs eine Hungersnot in Europa herrschte. Seitdem weiß man, dass Gras nicht nahrhaft ist - bestimmte Inhaltsstoffe kann die menschliche Verdauung nicht verarbeiten, weshalb man Darmbeschwerden bekommt. Man muss also eine Kuh oder Pferd sein, um Gras verdauen zu können. Das wäre also meine Antwort gewesen. Damit habe ich nur gute Erfahrungen gemacht, auch auf meiner Facebook-Seite.


Die Gesamtheit vegan lebender Menschen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, denn wenn die erste Begeisterung sich gelegt hat, stellt man oft fest, dass sich in dieser Szene auch sehr viele Wirrköpfe tummeln, Glutenverteufler und Chemtrails-Gläubige inklusive.Wie geht es dir da als Wissenschaftler?

Ach ja, der ganze Bullshit ... Ich habe schon mehrfach öffentlich homöopathische Überdosen zu mir genommen, ich habe bei Veranstaltungen Homöopathika angerührt aus Leichenfliegen und Sperma, und dabei festgestellt, dass für das Publikum Leichenfliegen noch okay sind, Sperma aber als eklig empfunden wird. Komisch, denn da ist doch nach der Verdünnung sowieso nichts drin. Das ist immer wieder sehr lustig.

Bei Chemtrail-Leuten war ich auch schon, und da habe ich dann eine Lektion gelernt: Man muss zu diesen Bullshittern hingehen und mit denen reden. Viele von ihnen sind depressiv und haben Angststörungen, wobei ich das nicht in die "klinische Ecke" drängen will. Wie sie sind, ist eben Teil von ihres Charakters. Und wenn man das Ängstliche dann auf ein Thema wie Gluten "das klebt, also verklebt es auch was im Körper" - bezieht, kommt eben ein klassisches magisches Denken zum Tragen. Dazu muss man nur mal in das "Lexikon des Aberglaubens" schauen - das steht hier im Regal.

In dieses Buch schaue ich öfter als in jedes andere, und da stellt man schnell fest, was es mit der Homöopathie auf sich hat und dem dortigen Glauben: "Gleiches hilft gegen Gleiches". Bei den Chemtrail-Leuten kommt noch was anderes dazu: Viele fühlen sich körperlich schwach, suchen eine Ursache, und suchen dann dreißig Jahre lang... Ich kann dieses Suchen aber gut nachvollziehen.


Warum?

Ein Freund von mir hat früh einsetzendes Parkinson, das ging schon in der Schule mit von uns nicht erkannten Frühanzeichen los: Winzig kleine Schrift, starre Mimik und so weiter. Jeder Neurologe hätte eine Diagnose stellen können, stattdessen wurde behauptet, er sei Alkoholiker, weil seine Hände zitterten. Zehn Jahre ging er zu Ärzten, keiner fand was, obwohl die Symptome klassisch waren. Wie mag es da erst Leuten gehen, die sich einfach schwach fühlen und keine Ursache finden, denen jeder, den sie fragen, etwas anderes sagt?

Dass solche Erlebnisse, solches Leiden die Menschen dazu bringt, alle möglichen Ursachen inklusive Chemtrails dafür verantwortlich zu machen, das wurde mir klar, als ich in meiner Eigenschaft als Mitglied von Die PARTEI zu einer großen Chemtrail-Demo in Berlin ging. Da bat mich eine Frau, dieses ganz leichte Transparent für sie zu halten, sie sei zu schwach. Das wog nichts, aber ich erkannte, wie sehr sie leiden muss, wie sehr sie sich Hilfe wünscht und eine Ursache zu kennen.

Na ja, die Folge dieses Gefallens war, dass ich jetzt auf Fotos zu sehen bin, wo ich dieses Transparent halte ... Viele von diesen Menschen lassen sich nicht helfen, aber vielen anderen könnte man helfen - sie auszulachen hilft nicht weiter. Sie fühlen sich dann nur weiter zu der Gruppe hingezogen, die sie "versteht". Da kommt eine ganz klassische Erscheinung zum Tragen, die auch an vielen Tatorten bei Ermittlungen zu Fehlern führt: Die Beobachtung ist korrekt, die Interpretation aber falsch.


Wie gehst du als logisch denkender Mensch mit dem Argument von "Veganfeinden" um, dass vegane Ernährung doch nicht natürlich sein kann, wenn einem bei dieser Ernährung Vitamin B12-Mangel droht und man dieses substituieren muss?

Für mich ist B12 zu substituieren wie die tägliche Benutzung von Seife. Warum dieses Beispiel? Letztes Jahr wurde das Ergebnis einer sich über 15 Jahre erstreckenden Studie veröffentlicht, und die ergab, dass die bakterielle Zusammensetzung deiner Hautoberfläche besser ist, wenn du niemals Seife benutzt, allerdings riechst du dann halt nicht so toll.

Und in einem anderen Fall wurde erprobt, wie es um die Zahngesundheit steht, wenn man im Rahmen einer PaläoErnährung auf normale Zahnpflege verzichtet. Das Ergebnis war, dass es kaum Karies gab. Nun entscheiden wir uns aus sozialen Gründen - starker Körper- und Mundgeruch ist heute nicht mehr akzeptabel - oder weil es uns einfach Freude macht, Lavendelseife zu benutzen, für die Verwendung von Seife und Zahncreme.

So ist es mit B12 auch. Ich stufe das immer auf ein Problemlevel von 0 bis 100 ein - meine Frau behauptet, bei mir habe nichts ein nennenswertes Problemlevel - und da hat das B12-Thema einen Wert von 0,01. Die B12-Supplementierung hat eigentlich sogar überhaupt kein Problemlevel, wenn man dadurch ein glücklicheres und gesünderes Leben führt. Das vermeintliche B12 - Problem, logisch abgewägt gegenüber den grundsätzlichen Vorteilen der veganen Ernährung, ist es die beste Nachricht des Jahrtausends, denn es ist es nur B12 das man einnehmen muss, sonst nichts.


Du bist sehr viel unterwegs, was bedeutet, dass du dich im Gegensatz zu jemandem, der viel in der Nähe seines eigenen Kühlschranks ist, jeden Tag einer neuen Herausforderung stellen musst: Wo bekomme ich was Veganes her? Wie sieht deine Strategie aus?

Wenn wir auf Vortragsreise sind - wir sind grundsätzlich nur per Bahn unterwegs - verbieten wir dem Veranstalter das Backstage-Catering. Aus Erfahrung scheitert jede Form der Erklärung, was wir wollen und was nicht - die Schüssel mit Mars und Bounty ist sonst unvermeidlich, genau wie im Osten Deutschlands das Ei-Brötchen. Zudem essen wir selten, eigentlich nur Frühstück und Abendessen, das war's. Ein Strukturvorteil ist, dass viele vegane Cafes nur bis 17 Uhr geöffnet haben und wir dann an solchen Orten was essen, bevor es mit Technik, Presse und Vortrag losgeht.

Selten essen, wenig essen, genau darauf achten, was man will - das ist die "Strategie". Anfangs nahm ich noch so Fruchtriegel mit, bis mir klar wurde, was für ein Beschiss das ist: da steht dann zwar drauf "Himbeere" oder "Heidelbeere", aber dann ist es doch immer nur zu 80% Datteln und Äpfel. Ich mag es in meinem ganzen Leben nicht, beschissen zu werden, also warum soll ich das bei veganen Riegeln akzeptieren? Ansonsten trinke ich viel, ich habe immer eine Thermoskanne bei mir, und sowieso war ich noch nie für ständiges Snacken anfällig. Allerdings bin ich im Gegensatz zu Ines auch kein Obstfan.


Das klingt eher so, als ob du isst, weil dein Körper was braucht. Bist du auch mal Genuss-Esser?

Naja. Ich habe ein eindeutiges Lieblingsrezept, das haben wir selbst entwickelt, das gibt es bei uns dauernd: "Death by Tomato". Tomatenstücke, getrocknete Tomaten, Tomatenmark, das war's. Dazu Nudeln oder Reis. Ende! Kein Knoblauch, wir essen den beide nicht. So zu essen ist für mich großer Genuss. Und ich kaufe auch nichts Fertiges, nichts Abgepacktes. Wenn ich Lust auf Möhre habe, dann esse ich eine gekochte Möhre.

Etwas Pfeffer und Salz dran und fertig. Ines mag zudem keine Kräuter, also lasse ich die mittlerweile auch weg. Unser Gewürzrepertoire ist also Pfeffer, Salz, Chili und Petersilie. Das mag jetzt alles freakiger rüberkommen als alles andere, was ich gesagt habe, aber ... ich liebe Kartoffeln. Einfach nur gekocht oder geviertelt im Ofen gebacken. So was ist für mich ein Genuss-Essen.

Und auch wenn es sich jetzt wieder etwas autistisch anhören mag: Ich kann nicht nachvollziehen, was an einem super aufwendig hergestellten Produkt so toll sein soll. Wenn man sich mal auf den puren Geschmack der Rohstoffe konzentriert hat, magst du das Verarbeitete, Gezuckerte und Gewürzte irgendwann nicht mehr. Das hat nichts irgendeinem Foodietum oder Trend zu tun. Wir mögen es einfach so, das ist alles.


Was steht bei dir für den Rest des Jahres auf dem Programm?

Business as usual, plus die ganzen bekloppten, schrägen Mini-Aktionen, die wir so machen. Irgendwelche Konferenzen, oder wenn irgendwo ein GruftiClub in der Provinz von der Schließung bedroht ist und meine Unterstützung braucht, dann helfe ich, wenn ich in der Nähe bin. Hauptsache, ich kann irgendwie Quatsch machen und es hat nichts mit einer Ideologie oder Religion zu tun und ist nicht missionarisch.

Deshalb habe ich mir auch mit Ingrid Newkirk mein Panini-Batman-Klebealbum angeschaut. Das Wichtigste ist, dass mir nicht langweilig wird. Apropos: Ich lese ja eigentlich keine Romane, aber ich habe mir jetzt mal das Gesamtwerk zu Sherlock Holmes im Original besorgt, das fällt ja eher unter Fachliteratur. Und da fiel mir auf, dass Holmes und ich durchaus ähnliche Charakterzüge haben: Einerseits so eine gewisse Eingeschränktheit, zum anderen, dass es nie langweilig werden darf.

Der Unterschied ist, dass Holmes irgendwelche Substanzen nimmt, Kokain oder so, oder er spielt Geige, ich aber nicht. Dafür fahre ich nach London in die Bibliothek und unterhalte mich mit der Restauratorin über alte Bücher. Die Welt ist super! Deshalb lohnt es sich, weltfreundlich zu sein, auch wenn keine große Hoffnung besteht. Das kulturelle und soziale Ding, wie wir es kennen, das ist vorbei. Wir sind die Letzten, die das so kennen werden.


Bist du so kulturpessimistisch?

Das ist kein Kulturpessimismus, das ist eine Tatsachenfeststellung. Ich war vor zwanzig Jahren mal auf einer Konferenz der Linnean SocietJ" da ging es um eine künstliche Biosphäre, wie so ein Modul für eine Mars-Mission. Die internationalen KollegInnen haben festgestellt, dass da manches machbar ist an künstlichen Welten, aber so ein System wie ein Ozean, das klappt nicht.

Eine Versuchs-Teilnehmerin war betroffen über das Sterben der Korallen in ihrer künstlichen Biosphäre, aber das nahm niemand ernst. Heute wissen wir, dass das Great Barrier Reef zu 90% absterben wird. So einer Erkenntnis muss man sich nach Lage der Daten stellen. Und dass jetzt endlich ein Vertrag unterschrieben wurde, der denTemperaturanstieg der Erdoberfläche auf 1,5 oder 2 Grad beschränken soll? Das ist doch ein Witz.

Die einzige Methode, das zu erreichen, wäre neben Verbrauchsminderung die rein pflanzliche Ernährung. Und dafür müsste sich ja eigentlich niemand einschränken. Zumindest wenn man das so autistisch sieht wie ich.