Umwelt-Schützer:innen im Knast': Post von Lasse 🍃

Mark: Lieber Lasse, du sitzt derzeit drei Wochen lang im Knast, weil du in Wuppertal für Umweltschutz auf der Straße warst. Was gibt es im Knast zu essen? Kannst du schlafen? Wie fühlst du dich?

Lasse: Lieber Mark, ich bin gerade vom Hofgang zurück, sitze nun am Schreibtisch in meiner Zelle und habe jetzt Zeit, deine Fragen zu beantworten!

Also morgens und abends gibt es Brot, ich habe veganen Aufstrich und manchmal gibt es noch etwas Obst. Vor meinem Haftantritt hat mein Anwalt einen Antrag auf vegane Ernährung geschickt, ich habe das bei der Aufnahme dann nochmal mehrmals gesagt, aber uns war leider schon klar, dass eine rein vegane Ernährung vor allem auf die Kürze der Haft bezogen ein Ding der Unmöglichkeit wird, zu arrangieren. Mittags bekomme ich dann ein vegetarisches Gericht. 

Anfangs habe ich zum Beispiel noch ungefragt einen Liter Milch bekommen, sowas verschenke ich dann an Mitgefangene. Letztens gab es abends veganen Thunfisch, das habe ich erstmal mit einem Freudentanz gefeiert. Ich hadere da die ganze Zeit aber mit mir selber, mich hier nicht wie draußen komplett vegan ernähren zu können. Im Allgemeinen würde ich das Essen hier leicht über Krankenhaus-Qualität stellen.

Also ich bin hier als Fehlbelegung auf meiner Abteilung 23 Stunden auf einer Einzelzelle, der Knast ist anscheinend recht voll. Da ist die Versuchung schon groß, dass ich mich mittags nochmal hinlege, dann wird das Einschlafen abends aber etwas schwierig.

Hier ist auch alles ziemlich hellhörig, manchmal schreit irgendwer rum. Ich denke, ich habe mir aber schon eine gute Tagesstruktur erarbeitet und bin dann auch müde abends. Aber ich habe wilde Träume.

Wie ich mich fühle? Also ich würde erstmal festhalten, dass es mir hier nicht so gut gehen soll, dafür wurden Gefängnisse ja geschaffen. Wusstest du, dass es zum Beispiel “einschüchternde Architektur” gibt? Ich, bevor ich mich mit Knästen befasst habe, nicht. 

Das ist jetzt meine erste Haft, der erste Abend zum Beispiel war emotional schon herausfordernd. Meine Gefühlslage schwankt, ich merke auf jeden Fall, dass mich Kleinigkeiten extrem aufbauen können oder mich sehr stark runterziehen.

Letzten Endes bin ich jetzt “nur” 20 Tage hier, das finden alle ziemlich exotisch, weil die allermeisten meiner Mitgefangenen seit Jahren und noch Jahre sitzen. Ich habe ein unfassbar starkes Supportnetz da draußen, was mir den Rücken frei hält, und ich bin so gut es geht im Kontakt mit ihnen. Eigentlich jeden Tag bekomme ich einen Stapel Briefe auf meine Zelle. Ich bin so unendlich dankbar für diese ganze Solidarität, Liebe, Kraft und Gedanken, die mich hier drinnen erreichen. 

Auch wenn die Gitter vor meinem Fenster, die Stacheldrähte und hohe Mauern probieren, mich von meinen Leuten da draußen zu trennen, fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu den ganzen Menschen, die mir schreiben und an mich denken. Das entfaltet eine unfassbare Kraft und Stärke bei mir, die mich auch durch herausfordernde und schwere Momente trägt. Jetzt in diesem Moment geht es mir soweit gut!

Das Weltwirtschafts-Forum dient nach deiner Auffassung nicht den Menschen der Erde oder der "Umwelt", sondern der Wirtschaft der reichen Menschen. Dennoch ist diese reiche Gruppe eine der wenigen, die genau und ehrlich über den Klimanwandel berichtet. Wie kommt das?

Ja, diesen Menschen scheint bewusst zu sein, was abgeht, deshalb bauen sie sich auch zum Beispiel Bunker in Neuseeland. Was ihnen das hilft, wenn es aber halt nichts mehr zu essen gibt, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Entscheidend ist, dass sie weitermachen und ihnen ihre Gier nach immer mehr Reichtum wichtiger zu sein scheint als eine lebenswerte Zukunft für alle und dass es in Zukunft überhaupt noch höher entwickeltes Leben geben kann. Ich würde dieses Verhalten als zutiefst antisozial, gemeingefährlich und bösartig bezeichnen. 

Ich muss da immer an diese Metapher von diesem greedy Affen denken, der eine Milliarde Bananen hortet, während andere Affen verhungern. Im Tierreich würden Wissenschaftler:innen untersuchen, was denn verdammt nochmal mit diesem Affen falsch gelaufen ist. In unserer Welt kommen Milliardäre auf die Forbes-Liste. Dass wir das als Gesellschaft so hinnehmen, macht mich wütend. Du spielst ja hier auf meinen Protest in Davos während des Weltwirtschaftsforums letztes Jahr an, wo ich so ein Luxushotel mit toxisch grüner Warnfarbe besprüht habe. Das hat mir im Übrigen sehr viel Freude bereitet und Funfact: Noch als ich da angehaftet auf den Treppen saß, tatsächlich sogar noch, bevor die Polizei damals eingetroffen ist, wurde schon mit den Abwascharbeiten begonnen. Da schien also schon doch ein Interesse da gewesen zu sein, sich schnell davon rein zu waschen. 

Aus meiner Sicht ist dieser wahnsinnige Turbokapitalismus die Wurzel allen Übels oder die Basis, wenn du so willst, und Davos ein einziger Fiebertraum. Ich finde auch zum Beispiel, dass kein Mensch das Recht hat, einen Privatjet zu besitzen. Ich würde sagen, dass das ein Verbrechen ist. Zwei Menschen, die mir sehr am Herzen liegen, Jori und Luca, haben vor ein paar Jahren einen Privatjet auf Sylt mit orangener Warnfarbe besprüht, und das Teil damit unschädlich gemacht. Dafür haben sie letztes Jahr in erster Instanz mehrmonatige Haftstrafen bekommen. Das ist absurd, ich finde, die beiden haben dafür eigentlich einen Orden verdient. Eat the rich!

Vermutlich haben viele deiner Familien-Mitglieder oder Freund:innen dir geraten, sechshundert Euro zu sammeln und so den Knast zu vermeiden. Wie lief das aus deiner Sicht in deinem privaten Umfeld ab?

Also aus eigener Tasche kann ich so eine Summe nicht bezahlen, ich bin arm wie eine Kirchenmaus. Es wäre vermutlich gut machbar gewesen, dieses Geld aufzutreiben, aber das wollte ich nicht. Ich erkenne das Urteil des Landgerichts zu der Versammlung in Wuppertal nicht an. Es ist unser aller Grundrecht, uns friedlich versammeln zu dürfen. Die Polizei kann nicht einfach kommen und Versammlungsteilnehmer:innen mit unverhältsnismäßigen Schmerzgriffen verhaften, ohne die Versammlung überhaupt aufgelöst zu haben. Haben sie an dem Tag aber gemacht. 

Sowohl dem Richter am Amtsgericht als auch der Richterin am Landgericht war das aber ziemlich egal. Sie erkennen den Klimanotstand nicht an. In deutschen Gerichten ist das Recht auf fossil betriebenen Individualverkehr wichtiger als das Recht meiner und aller zukünftigen Generationen, zu überleben. 

In erster Instanz war das Urteil sogar drei bzw. vier Monate Haft ohne Bewährung. Der Richter hatte bei der Urteilsverkündung einen roten Kopf, hat rumgeschrien und komplett die Beherrschung verloren. Es hat ihm gar nicht gepasst, was ich gesagt habe. Die Staatsanwältin hat vor dem Landgericht, als wir uns die Videos von den Schmerzgriffen im Gericht angeschaut haben, gelacht. 

Das habe ich alles nicht vergessen und es ist mir bei dieser expliziten Aktion und den Verhandlungen danach ein persönliches Anliegen, nicht jetzt klein beizugeben und dafür am Ende auch noch Geld hinzulegen.

Ich habe auch recht viele Aktionen mit der Letzten Generation gemacht, auch einige Aktionen, bei denen mit “höheren” Repressionen zu rechnen ist. Früher oder später werde ich deshalb höchstwahrscheinlich auch eine längere Gefängnisstrafe absitzen müssen, aus der ich mich nicht wie jetzt freikaufen lassen kann. 

Die Haft jetzt ist für mich auch eine Art Testlauf. Ich bin da glaube ich sehr stur und klar in meiner Haltung, höre mir dann an, was die Gegenargumente sind, erkläre, wieso und weshalb, aber ziehe dann mein Ding durch. 

Damals, bevor ich angefangen habe, mich auf Straßen zu kleben, haben mir auch Leute dringend davon abgeraten. Das bereue ich zum Beispiel auch null. Ich probiere eigentlich immer, das zu machen, was ich für richtig halte, auch wenn ich Satansbraten dadurch oft in Teufels Küche komme. 

Mich vertröstet ein bisschen, dass ja am Ende des Tages die Geschichte das letzte Urteil fällt, auch wenn ich leider glaube, dass schon bald gar keine Geschichten mehr aufgeschrieben werden können. 

Leben im dystopischen Endzeitkapitalismus hat schon einen Charme haha.

Die klassischen Proteste der Letzten Generation wie festkleben, festketten, unerwartet im Museum auftreten und dergleichen sind Geschichte. Welche Formen des Wachrüttelns hältst du in den kommenden Jahren für wirkungsvoll?

Das ist eine sehr gute Frage, Markito, eine, wie ich finde, sehr große Frage. Seit sich die Letzte Generation aufgelöst hat, eigentlich schon eine gewisse Zeit davor, beschäftige ich mich mit dem “Was nun?”. Ich kann dir keine wirklich klare Antwort darauf geben, aber ich probiere es.

Also die Letzte Generation hat im Kern Hilferufproteste gemacht, ein Appell an die Politik und die Gesellschaft. Straßenblockaden zum Beispiel waren ein symbolisches sich dem ”Weiter so” und fossilen Status Quo in den Weg setzen. Nach der Devise: “Stopp! Wir können so nicht weitermachen, weil wir uns immer schneller Richtung Klippe bewegen, und ich bin so verzweifelt und habe Angst, dass ich mich jetzt auf den kalten Boden vor tonnenschwere Autos klebe und komplett vulnerabel alle Reaktionen und Konsequenzen trage und aushalte. Ich werde nicht zurückschlagen.”

Als ich klein war, hat mir meine Mama beigebracht, dass ich keine Klippe herunterspringen soll, wenn ALLE das tun. Das, was wir Normalität und Alltag nennen, ist die Zerstörung und das Problem, und das ist weder normal noch alltäglich, was hier gerade passiert. Seit spätestens 1970 ist eindeutig klar, wohin die Reise geht, jeder wusste es, jeder weiß es. Es wird schlichtweg verdrängt und ist den allermeisten Menschen einfach scheißegal. 

Als ich emotional einmal wirklich an mich herangelassen habe, was die Situation übersetzt bedeutet und was die Tragweite und Dimension von ihr ist, war es für mich nur logisch, meine persönliche Freiheit zu riskieren und meine physische/seelische Gesundheit in das Feld zu führen. Weil eben diese ja auch bedroht ist. Deine “Time is up”-Vorträge haben auch geholfen. 

Ein Schlüsselmoment für mich war, als mich meine Schwester angerufen hat und sagte, dass sie schwanger sei. Es macht mich so unfassbar traurig und diesen tiefen Schmerz kann ich nicht in Worte fassen, wenn ich an unsere kollektive Zukunft denke und sehe, dass es den allermeisten Menschen so egal zu sein scheint, sie diese ganzen Ungerechtigkeiten hinnehmen und mittragen. 

Das Ziel der Letzten Generation war es, eine kritische Masse zu mobilisieren, die den Gehorsam verweigert, so, dass das System nicht mehr funktionieren kann und sich dann transformieren muss. Der Laden läuft nur, wenn wir alle mitspielen. 

Als ich bei der Letzten Generation angefangen habe, dachte ich, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis eine friedliche Revolution das System, die Maschine zu Fall bringen würde. Ich dachte, dass es ja so offensichtlich ist und es gar keine andere Möglichkeit geben würde, als dass alle Leute irgendwann “aufwachen”. Oh boy, war ich naiv. 

Da sich die Letzte Generation jetzt aufgelöst hat, sollten alle Alarmglocken bei der Gesellschaft angehen, das ist eine maximale Red Flag für den Punkt, an dem wir uns befinden. Die Letzte Generation ist gescheitert, nicht aber wegen mangelndem Einsatzes oder strategischer Defizite, sondern sie ist an der Verdrängungsgesellschaft gescheitert. 

Mir ist auch nochmal bewusst geworden, dass tatsächlicher, effektiver Klimaschutz eine radikale Abkehr vom Wachstumspfad und Überwindung des Kapitalismus bedeuten würde. Der Graph der CO2-Konzentration steigt seit Jahrzehnten an und scheint von jeder Interventionsmaßnahme unbeeinflusst zu sein. 

Klima ist ja auch nur ein Part, über die Biodiversitätskrise wird ja eigentlich nie geredet. Klimakatastrophe und Artensterben sind ja beides K.O.-Probleme. Und dann gibt es noch die anderen Planetaren Grenzen, an denene die Menschheit sehr energisch arbeitet, diese zu überreizen. Das klingt für manche vielleicht wie eine Verschwörungserzählung, aber ein Menschheitsaussterben noch in diesem Jahrhundert ist ein wahrscheinliches Szenario, so eine Situation hat es nie gegeben und wird es nie wieder geben. 

Und ja, was soll ich sagen, we tried, we fucking tried, aber Macht und Kapitalinteressen, Politik, Diffamierungskampagnen durch Springer, die fossile Lobby und die Maschine scheinen einfach zu übermächtig. Für uns war es halt wirklich David gegen Goliath, auch wenn die Chance sehr gering war, bin ich stolz und froh, dass wir es trotzdem versucht haben. Ich glaube fest daran, dass es wichtig gewesen sein wird.

Weißt du, Mark, ich trauere manchmal um das Leben, das ich im jetzt hätte führen können, mir fällt das immer wieder im Kontrast zu Freund:innen außerhalb der Bubble auf, die eine Ausbildung und Studium machen und ihr Leben leben, so, wie es jeder junge Mensch oder generell alle Menschen dürfen sollten. 

Viele meiner Freund:innen und auch ich opfern viel und geben, ohne einen Vorteil davon zu haben. Von der Gesellschaft, für die man das auf sich nimmt, so behandelt zu werden, so viel Gegenwind, Hass, Diffamierung und Kriminalisierung abzubekommen, tut schon irgendwo sehr weh. 

Aber ich denke, das ist der Fluch von zivilem Ungehorsam und dass damit alle Menschen in der Geschichte, die den Ungerechtigkeiten den Kampf angesagt haben, irgendwo mit diesen Gefühlen gehadert haben. Im internationalen Vergleich bin ich trotzdem noch extrem privilegiert. Der Ort, an dem ich jetzt bin, ist das schärfste Schwert, was dem Staat momentan zur Verfügung steht. Ich muss keine Angst haben, für das, was ich tue, erschossen zu werden. 

Dennoch verschärfen sich die Repressionen. Es gibt einen sehr beunruhigenden Trend von mehr Kriminalisierung und Härte gegen unliebsame Stimmen und ungehorsamen Protest. Ich würde sagen, die kommenden Jahre stehen die Zeichen auf einen totalitären Überwachungsstaat und Faschismus. 

Am Frankfurter Hauptbahnhof haben sie jetzt eine Live-Gesichtserkennungs, wenn die Nazis von der AfD in Regierungsverantwortung kommen und über solche bereits eingeführten Technologien verfügen, ja dann gute Nacht. Die Überwachungssoftware Palantir vom antidemokratischen Milliardär Peter Thiel wird jetzt schon in Deutschland in mehreren Bundesländern eingesetzt, das neue Polizeigesetz in Berlin ist eine Vollkatastrophe. Hier wird still und heimlich die Infrastruktur für einen totalitären Überwachungsstaat geschaffen und das sollte uns allen sehr zu denken geben. 

Global sind Faschismus und Imperialismus wieder voll im Trend, das ist denke ich so die letzte Verteidigungsinstanz vom sterbenden Kapitalismus. Was jetzt wirkungsvoll die nächsten Jahre ist, was das Ziel? Ich weiß es nicht. Aber der Kampf für eine gerechtere Welt muss trotzdem weitergehen, denn was bleibt uns denn anderes übrig? Puh, das war jetzt eine ausführliche Antwort, aber das ist, was ich dazu denke und fühle.

Mich erstaunt weniger die Wut als die absolute Gleichgültigkeit der meisten Menschen gegenueber dem, was sie selbst bewirken können. Wie bringst du Menschen dazu, nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln?

Es vorleben, zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen müssen. Ich habe zu meiner Haft jetzt auch insgeheim die Hoffnung, dass Menschen, und wenn es nur einer ist, mitbekommen, dass sich dieser Lasse “freiwillig” einbuchten lässt und dadurch einen Zugang zu all diesen belastenden Themen findet und checkt, dass die Lage bitterernst ist. 

Ich probiere, Menschen irgendwie klarzumachen, dass es sehr gut tut, im Einklang mit inneren Werten zu handeln und diesen negativen Frieden nicht mehr hinzunehmen. Natürlich weiß ich, dass der Weg, den ich gewählt habe, nicht für alle ist, aber macht etwas!

Am Ende muss dieser Impuls aber von den Menschen selbst kommen.

Also seid mutig, seid ungehorsam!

Lieber Mark, es war mir eine Ehre. 

Alles Liebe aus dem Knast, Lasse

Time is up (Frühjahr 2026): Neue Umwelt-Messungen

TIME IS UP: Die neuesten Messungen zu Hitze, Fluten & Arten-Sterben. Mark Benecke fackelt nicht lange und zeigt uns knallhart, dass wir die ökologischen Deadlines unserer Erde nicht nur erreicht, sondern bereits krachend überschritten haben. Schluss mit Ausreden und Verdrängung: Der „Herr der Maden“ macht klar, dass wir den Planeten nur noch retten können, wenn wir radikal umdenken. 📍18. Januar 2026, Kino Museum Tübingen 🕖 19:30 Uhr 👉 Komm vorbei, bring Freund:innen mit! Tickets hier → https://tuebinger-kinos.de/.../live-vortrag-time-is-up.../ « 

Foto: Beat Mumenthaler

Dr. Mark Benecke & Klimaliste Baden-Württemberg  

Warum vegan?

Quelle: Das V-Heft – Tierisch gute Gründe für eine vegane Lebensweise, Animal Rights Watch e.V., Ausgabe 2025, 48 Seiten

Warum vegan?

Foto: Tomas Rodriguez

Tiere zu verwenden ist weder notwendig noch sinnvoll – egal ob es um Schweine, Hühner oder Heuschrecken geht. Pflanzliche Ernährung ist für die Umwelt, aber auch wirtschaftlich und gesundheitlich für Menschen am besten.”

Foto: Tomas Rodriguez

Meeresschützertag 🌊

Sonntag, 13. April 2025, Uni Bremen | Keksdose

Auf nach Bremen Der neue Vortrag 'Time is up': Wasser 💦

»Wir freuen uns sehr, Dr. Mark Benecke, den bekannten Kriminalbiologen und faszinierenden Sprecher, beim Meeresschützertag in Bremen begrüßen zu dürfen!

Unter dem Titel „Time is up: Leben & Wasser“ wird Dr. Mark Benecke spannende Einblicke in die Bedeutung des Wassers für das Leben geben und zeigen, wie dieses essentielle Element unser Leben beeinflusst – von der Kriminalbiologie bis zur Umweltforschung.

Seid dabei, wenn er uns mit fundierten Fakten und wissenschaftlichen Einblicken auf den neuesten Stand in Bezug auf Biologie und Klima mitnimmt! Merkt euch den Termin vor – das dürft ihr nicht verpassen!«

Mit der Cpt. Paul Watson Foundation

Zu Gast sind unter anderem:

Dr. Mark Benecke
→ Julian Münster und Oliver Feist von Stop Finning
→ Janek Andre von WeWhale & Iberian Orca Guardians
→ Sofian Zerelli von FishAct
→ Martin Metzger für die Gesellschaft zur Rettung der Delfine & Voice of the Seas

Außerdem wird Captain Paul Watson per Videokonferenz zugeschaltet!

Mensch-Umwelt-Tierschutz-Medaille 2024

parteimenschumwelttierschutz, 12. Okt. 2024

Wir freuen uns, Dr. Mark Benecke die Mensch-Umwelt-Tierschutz-Medaille zu verleihen! 🏅🌱

Sein unermüdliches Engagement für Tierrechte, Veganismus, ökologische Herausforderungen und soziale Themen inspiriert uns seit vielen Jahren. Danke, @markito_benecke, für deinen wertvollen Beitrag zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt! 💚

Kriminalbiologie & Klimawandel

Quelle: Acher- und Bühler Bote / Badische Neueste Nachrichten (BNN)

Von Wilfried Lienhard

Wie kommen Sie von der Kriminalbiologie zum Klimawandel?

Mark Benecke: Die Umweltveränderungen sind an Tieren und Pflanzen schon lange zu erkennen. Viele sterben, andere wandern schneller als je zuvor in die letzten noch für sie besiedelbaren Gebiete. Das betrifft mich in meiner Arbeit seit dem Jahr 2003. Damals haben wir erstmals an Leichen im Studierendenkurs super viele Wespen gesehen. Besonders die blauen "Brummer"-Fliegen, deren Larven wir zur Bestimmung der Leichen-Liegezeit gerne verwenden, hat die Hitze geschafft. Sie kennen es aber sicher auch von den seit etwa fünf Jahren auf einmal eingewanderten Nosferatu-Spinnen, blauen Holzbienen und Gottesanbeterinnen.

Ich liebe vor allem Leben. Doch nicht nur die Insekten sind weg, sondern auch Regenwürmer, Frösche und Singvögel. Es wird einsam und das ist zum Heulen.

Ich fand die Klima-Veränderungen übrigens schon immer interessant. In meinem ersten Buch von 1998 handelt bereits ein ganzes Kapitel vom Klimawandel. Es hat auch andere interessiert: Das Buch ist bis heute in Neu-Auflagen erhältlich.

Ihren Vortrag betiteln Sie „Klima: Endspiel“. Wer ist der Gegner in diesem Finale?

Der Titel stammt vom Veranstalter. Meine Serie heißt 'Time is up' mit den immer neuesten Messungen zur Umwelt. Gegnerschaft ist es nicht, sondern eine 'Ist mir doch egal'-Haltung. Das klarste Beispiel dafür sind Menschen, die Tier-Produkte verwenden. Jede und jeder weiß, wie fürchterlich die Tiere behandelt werden und welche Umwelt-Schäden dadurch auftreten. Aber die meisten juckt es nicht. Sie verzehren weiter Schinken und Kuhmilch. 

Wenn überhaupt, dann ist der Gegner des Menschen der Mensch selbst. Denn es geht ja auch uns Menschen an den Kragen.

Bei welcher Temperatur stehen wir Ihrer Meinung nach am Ende dieses Jahrhunderts?

Das hängt davon ab, wieviel Erdöl wir verbrennen, wie viele Wälder wir vernichten und ob wir vielleicht mal insgesamt weniger verbrauchen, auch Kleidung und Elektronik. 

Das angebliche 1,5-Grad-Ziel gibt es jedenfalls schon seit Jahren nicht mehr, weil es hinter uns liegt. Wir haben die Marke gerissen, und auch die Zweigrad-Marke reißen wir ganz sicher bald.

Was bedeutet das dann für das Leben auf der Erde?

Die sechste, jetzt ja schon deutlich messbare Massen-Auslöschung von Arten. Für Menschen: Schwindende Lebensqualität, um es mal sehr vorsichtig zu sagen.

Sie sind promovierter Kriminalbiologe, Spezialist für forensische Entomologie, Ausbilder an deutschen Polizeischulen, Gastdozent in den USA, Autor populärwissenschaftlicher BücherWissenschaftler durch und durch also. Spüren Sie auch die Folgen der zunehmenden Wissenschaftsfeindlichkeit?

Ich spüre eher, dass Menschen mit Lügen immer besser leben können.  

Wie problematisch ist das gerade beim Thema Klimawandel?

Das ständige Lügen und der Selbstbetrug? Es führt dazu, dass schon die kleinsten Schritte — Begrünung von Mauern und Wänden, Entsiegelung von Städten, Umstellung auf pflanzliche Ernährung und öffentlichen Verkehr — nicht stattfinden. Stattdessen zeigen viele auf ihre Nachbarn, China, die USA, "die" Politik oder irgendwen, der angeblich gerade viele schlimmer ist. 

Das ist eine Mischung aus Faulheit und Wirklichkeitsverleugnung. Kein Mensch muss Naturwissenschaften spannend finden. Aber eine Messung wie auf einer Küchenwaage, die jemand ohne schwierige Worte erklärt und die von ganz verschiedenen Messenden bestätigt ist: Die setze ich doch auch beim Backen und Kochen ohne Herumgerede ein und um. 

So ist es auch mit dem Arten-Verlust und der Erd-Erwärmung. Was dagegen hilft, versteht jedes Kind. Einfach mitmachen statt rumeiern und schwatzen.

Was müsste geschehen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern? 

Fluten, Brände und Ernte-Ausfälle lassen sich nicht abmildern. Was hilft, ist vorzubeugen, so dass sie möglichst selten auftreten. Ist übrigens wie in der Kriminalistik: Derzeit soll ein Programm mit Intensiv-Täterinnen und -Täter eingeschmolzen werden. Natürlich kosten die Taten hinterher viel mehr als die Vorbeugung. Aber irgendwer glaubt offenbar, dass sich begangene Morde und Raubüberfälle hinterher abmildern lassen. Dazu müsste man dann aber wohl in der Zeit zurück reisen.

Letzte Frage: Wie viele Stimmen erhoffen Sie sich bei der OB-Wahl in Köln?  

Letztes Mal, das war im Jahr 2015, wurde ich dritter. Da ich diesmal auch meine Paten-Tante aus Bayern sowie eine Freundin aus dem Erzgebirge hinter mir weiß, sollte es für Platz eins reichen. 

Ehrlich gesagt gibt es außer mir auch keine Kandidatinnen oder Kandidaten mit einem vernünftigen Programm. Ich hingegen fordere bürgernah den Rückbau der Kölner Oper: Sie wird seit 2012 "saniert" und frisst alles Geld auf, was die Stadt woanders braucht. Außerdem Straßenreinigung mit Kölnisch Wasser und freie Sicht auf den Kölner Dom weltweit. 

Seit meiner Aufstellung haben wir auch schon allerhand interessante Angebote erhalten. Bei mir gilt: Ich will, was ihr wollt. Das wird also schön.


Quelle: Bühler Bote, 8. November 2024, Ausgabe Nr. 259, Seite 25

„Dr. Made“ macht klare Klima-Ansage

Der Kriminalbiologe Mark Benecke kommt für einen Vortrag über den Klimawandel nach Bühl

Von Wilfried Lienhard

Bühl. Beginnen wir mit einem steilen Vergleich: Wo Mark Benecke ist, ist der Tod nicht weit. Der Kriminalbiologe hat mit seiner Expertise manche Ermittlung aus der Sackgasse geholt. In Büchern wie „Mordmethoden“, „Mordspuren“ oder „Aus der Dunkelkammer des Bösen“ erzählt der laut Verlag „bekannteste Kriminalbiologe der Welt“ von spektakulären Kriminalfällen, in denen schon mal Maden und Larven eine wichtige Rolle spielen.

Seit Jahren treibt ihn aber ein weiteres Thema gewaltig um. Doch auch da ist der Tod nicht weit. Es ist der Klimawandel. In Vorträgen fasst der Wissenschaftler den Forschungsstand zusammen und benennt die Folgen, die eintreten können, wenn sich nichts ändert. Jetzt kommt er nach Bühl: Im Bürgerhaus Neuer Markt beginnt am Freitag, 15. November, um 18 Uhr der vom Gemeinwohl-Forum Baden veranstaltete Vortrag „Klima: Endspiel“.

Endspiel: Das klingt dramatisch. Der Titel stamme vom Veranstalter. Er selbst nennt seine Vortragsreihe „time is up“. Die Zeit ist abgelaufen. Der Endspielgegner des Menschen sei der Mensch selbst: „Denn es geht ja auch uns Menschen and den Kragen“. Da ist sie wieder, die Nähe zum Tod.

Die Umweltveränderungen seien an Tieren und Pflanzen schon lange zu erkennen: „Viele sterben, andere wandern schneller als je zuvor in die letzten noch für sie besiedelbaren Gebiete.“

Dabei liebe er vor allem das Leben: „Doch nicht nur die Insekten sind weg, sondern auch Regenwürmer, Frösche und Singvögel. Es wird einsam, und das ist zum Heulen.“

Wie es auf der Erde am Ende dieses Jahrhunderts aussehe, hänge davon ab, „wie viel Erdöl wir verbrennen, wie viele Wälder wir vernichten und ob wir vielleicht mal insgesamt weniger verbrauchen, auch Kleidung und Elektronik.“

Das angebliche 1,5-Grad-Ziel sei schon seit Jahren gerissen, „und auch die Zwei-Grad-Marke reißen wir ganz sicher bald“. Die Folgen: „Die sechste jetzt ja schon deutlich messbare Massenauslöschung von Arten. Für Menschen: schwindende Lebensqualität, um es mal sehr vorsichtig zu sagen.“

Fluten, Brände und Ernteausfälle ließen sich nicht abmildern. Vorbeugen könne helfen, dass solche Katastrophen möglichst selten auftreten. „Das ist übrigens wie in der Kriminalistik: Derzeit soll ein Programm it Intensiv-Täterinnen und -Tätern eingeschmolzen werden. Natürlich kosten die Taten hinterher viel mehr als die Vorbeugung. Aber irgendwer glaubt offenbar, dass sich begangene Morde und Raubüberfälle hinterher abmildern lassen. Dazu müsste man dann aber wohl in der Zeit zurückreisen.“

Seit 2003 ist Benecke mit dem Thema konfrontiert (ein Kapitel widmete er dem Klimawandel 1998 schon in seinem ersten Buch): „Damals haben wir erstmals Leichen im Studierendenkurs super viel Wespen gesehen. Besonders die blauen Brummer-Fliegen, deren Larven wir zur Bestimmung der leichen-Liegezeit gerne verwenden, hat die Hitze geschafft.“ Benecke ist seither auf vielen Kanälen unterwegs. Der promovierte Kriminalbiologe ist Spezialst für forensische Entomologie, Ausbilder an deutschen Polizeischulen, Gastdozent in den USA, Autor populärwissenschaftlicher Bücher und auch aus Funk und Fernsehen bekannt. „Nebenbei“ ist er seit 2011 Vorsitzender des Vereins „Pro Tattoo“, hat 2015 für „Die Partei“für das Amt des Kölner Oberbürgermeisters kandidiert und tut es jetzt wieder.

Bei so viel Wissenschaft: Bemerkt Benecke eine zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit, das Bestreben, gesicherte Erkenntnisse infrage zu stellen? „Ich spüre eher, dass menschen mit Lügen immer besser leben können.“ Deshalb würden schon die kleinsten Schritte wie Begrünung von Mauern und Wänden, Entsiegelung von Städten, Umstellung auf pflanzliche Ernährung und öffentlichen Verkehr nicht gegangen: „Stattdessen zeigen viele auf ihre Nachbarn, China, die USA, „die“ Politik oder irgendwen, der angeblich gerade viel schlimmer ist.“

Für Benecke ist das eine Mischung aus Faulheit und Wirklichkeitsverleugnung: „Kein Mensch muss  Naturwissenschaften spannend finden. Aber eine Messung wie auf einer Küchenwaage, die jemand ohne schwierige Worte erklärt und die von ganz verschiedenen Messenden bestätigt ist: die setze ich doch auch beim Backen und Kochen ohne Herumgerede ein und um.“ So verhalte es sich auch mit dem Artenverlust und der Erderwärmung. „Was dagegen hilft, versteht jedes Kind. Einfach mitmachen statt rumeiern und schwatzen.“


Quelle: Acher- und Bühler Bote, 18. November 2024, Seite 23

Am Oberrhein wird es am heißesten

Biologe Mark Benecke stellt in Bühl Statistiken und Messungen zur schnellen Verschlechterung des Weltklimas vor

Von Martina Fuß

Bühl. Mark Benecke schießt Sätze wie Pistolenschüsse ab. In ungeheurer Geschwindigkeit treffen seine brisanten Aussagen auf viele gespannte Zuhörerinnen und Zuhörer im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl. Dort spricht er über das „Klima:Endspiel". So lautet der Titel seines Vortrags, zu dem der Verein Gemeinwohl-Forum-Baden eingeladen hatte.

Dessen Vorsitzender Frohmut Menze erklärte in seiner Begrüßung, warum der Verein Benecke eingeladen hat. „Wie kommt es, dass Europa und die Welt das Wissen und die Technik, das Geld und die Institutionen haben, um den Klimawandel spürbar einzudämmen – und es passiert nichts! Schlimmer, der CO,-Ausstoß war noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Mark Benecke wird uns zu dieser Frage einige Erkenntnisse liefern."

Nun also Mark Benecke. Eine schillernde Person mit weit gestreuten Interessen und Kompetenzen. Es gibt kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in dem sich der promovierte Wissenschaftler keine Meriten erworben hat. Er ist Kriminalbiologe, hat in New York gearbeitet, daneben viele erfolgreiche Bücher geschrieben, im Radio und Fernsehen Kriminalfälle gelöst und Kinder-Experimentierkästen herausgegeben. Neu entdeckte Tiere sind nach ihm bekannt.

Er hat Musik und Theater gemacht und ist auch noch als Politiker für „Die Partei" auf allen Eben aktiv. „Ich zeige Ihnen heute neue Informationen, nachdem in den letzten Wochen viel passiert ist", sagt greift er zur Ausgabe der BNN an diesem Tag. Auf nahezu jeder Seite gibt es Hinweise zum Klima. Der Wald, die Wiesen, der Nationalpark, Ameisen, die Asiatische Hornisse – die Beispiele sind vielfältig. „Glauben gibt es bei mir nicht, nur Zahlen und Messungen", sagt Benecke und zeigt Statistiken und Schaubilder, über die sich alle Wissenschaftler in allen Regionen der Welt einig sind und die gemeinsam herausgegeben werden. Benecke weiß solche wissenschaftlichen Darstellungen auch für Laien nachvollziehbar zu erklären.

Demnach steigt der CO2-Gehalt exorbitant an. Sprunghaft, ohne Messfehler, in einer Geschwindigkeit, die selbst für Wissenschaftler kaum zu glauben ist. Benecke benennt das Phänomen, das insbesondere seit Mitte letzten Jahres die Wissenschaft aufschreckt.

In den vergangenen Monaten gab es Waldbrände in Griechenland, riesige ausgetrocknete Flüsse in Lateinamerika, einen Höllensturm in den USA und die „nie da gewesene Regen-Katastrophe in Spanien". Unwetter in Polen, Italien, Österreich. „Ausgetrocknet, abgefackelt und überschwemmt und alles hat eine gegenseitig verstärkende Wirkung. Das macht deutlich, was gerade hundertfach in Europa passiert. Es sind super-extreme Wetterereignisse außerhalb jeglicher bisher bekannter Aufzeichnungen", sagt Benecke und belegt die Situation mit Bildern und Messungen.

Die Katastrophe setze sich fort in der Tierwelt, im Meer, bei den Nährstoffen in den Böden, an den Erd-Polen und leider auch in Mittelbaden. „Sie verstehen das Problem, es wird auch Sie in Bühl tref-fen", sagt er und zeigt eine Vorhersage der Temperaturentwicklung in Deutschland. Die heißeste Region wird der Oberrheingraben sein. Seit 1970 werde all das vorhergesagt, aber die Schnelligkeit der Veränderungen habe niemand erwartet. Dabei wüssten die Menschen, was passiert. Zumindest wissenschaftlich gesehen. „Dennoch findet Klimaschutz nicht statt, obwohl die Menschen in Europa und insbesondere im wirtschaftlich starken Deutschland den größten Handlungsspielraum haben. Stattdessen gibt es immer noch Klima-Leugner, deren Wissen weit unterhalb von Kindergarten-Niveau liegt." Der Blick 450 Millionen Jahre zurück zeige, dass es mehrere Artensterben auf der Erde gab. Die hätten aber alle sehr lange gedauert. Nicht nur ein paar Jahrzehnte.

Die Schlussfolgerungen könne die Zuhörerschaft selbst ziehen: Der Schlüssel liege im Verbrauch durch die Menschen. Der Handlungsspielraum, den jeder Einzelne nutzen könne sei, weniger zu kon-sumieren, weniger Tierprodukte zu nutzen, weniger wegzuwerfen, im Garten ein Arten-Refugium zu schaffen und umzustellen auf erneuerbare Energien. Atomkraft? „Damit haben wir ein Problem, das noch viel größer ist und zehntausende Jahre besteht", sagt Benecke.

Er empfiehlt, umgehend zu handeln: „In der Zeit, in der ich über andere schimpfe, kann ich schon selbst vieles getan haben."



Menschen sind ja auch Tiere

Quelle: Ruhr-Nachrichten, 4. Juni 2024, der Artikel als .pdf

Biologe Mark Benecke zur Debatte um den Klimaschutz

Von Sophia Wibbeke

Als Biologe diskutiert Mark Benecke seit fahren über das Klima. Im Interview verrät er, was im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs aus seiner Sicht falsch läuft.

Mark Benecke ist Biologe und vor allem bekannt als Forensiker. Seit Jahren beschäftigt er sich mit dem Klimawandel und hält Vorträge, um Menschen zu einem klimafreundlichen Lebensstil zu bewegen.

Herr Benecke, ist die Welt noch zu retten?

Die Welt der Menschen ist immer bedroht von Seuchen oder Kriegen oder Umwelt-veränderungen. So gesehen ist das jetzt nicht anders als sonst. Der Unterschied ist diesmal, dass es leicht zu verhindern ist. Die natürliche Unterschied ist diesmal, dass es leicht zu verhindern ist. Die natürliche Umwelt, die Kreisläufe des Lebens – die sind noch nie so leicht zu retten gewesen wie heute. Es scheint manchmal der Wille zu fehlen.

Sie sind Kriminalbiologe. Wie kam es, dass der Klimawandel plötzlich so einen Platz in Ihrem Wirken einnimmt?

Das steht schon in meinem ersten Buch aus den 1990er-Jahren. Auch als der erste Hungerstreik vor dem Kanzleramt stattfand, habe ich mit dem Hungernden ein Video-Interview gemacht. Zu Fridays [For Future] bin ich von Anfang an hingegangen, bis heute. Die Letzte Generation habe ich begleitet und auch Extinction Rebellion. Nach und nach sind Umweltbewegung und reine Biologie zusammengerückt. Als dann die Unis angefangen haben zu fragen und die Umweltverbände, hat es vielleicht ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Sind Sie ein Klimaaktivist?

Ich weiß gar nicht, was das sein soll. Bei größeren wie kleineren Aktionen bin ich dabei. Ich fotografiere und filme alles und stelle es ins Netz. Das ist völlig transparent. Da gibt es keine Absprachen im Hintergrund oder so. Aber ob Sie das jetzt Aktivismus nennen wollen oder nicht...

Gleichzeitig liege ich manchmal etwas quer mit Klimaorganisationen. Wir haben etwas verschiedene Standpunkte, weil sie oft sagen, das muss politisch gelöst werden, und ich sage: ,Ihr könnt doch heute, zum Beispiel auf der re:publika vor ein paar Tagen, einfach keine Tierprodukte anbieten. Ich verstehe nicht, dass viele Leute da scheinbar sagen: „Mama, Papa, der Kanzler, Gott, Donald Trump und meine Hausstaubmilben sollen das lösen, aber ich nicht."

Aktivismus bedeutet für mich, dass man nicht faselt und wünscht und fordert und die Faust in die Luft hebt, sondern sich selbst bewegt. Das sehe ich bei sehr vielen Leuten nicht.

Mit diesem sofortigen Verzicht auf Tierprodukte, verlangen Sie da nicht ein bisschen viel von den Menschen?

Ich sehe das überhaupt nicht als Verzicht. Es steht auch nicht mit den Zahlen and Daten in Einklang. Wenn alle Menschen sofort auf Tierprodukte verzichten warden, dann hätte das nicht nur gute Auswirkungen – nennen wir es jetzt mal aufs Klima –, sondern auch auf die Gesundheit. Die Menschen würden sofort gesünder. Dazu gibt es Zehntausende, Millionen von Messungen, wenn Sie die Einzelmessungen nehmen. Da sehe ich den Verzicht nicht. Man verzichtet auf Krankheit. Das ist richtig. Oder auf ein weniger angenehmes Leben. Wenn Sie das Verzichten nennen: Okay.

Viele Menschen regen sich wahnsinnig auf, wenn ich bei Vorträgen sage: „Also, wenn Sie Tiere essen, dann können Sie keine Tierfreunde sein." Da kriege ich richtig traurige Mails: „Das hat uns erschüttert. Wir sind doch Tierfreunde!" Da sage ich: „Gut, nennen sie sich Tierfreund, aber wer Tiere isst, löscht sie doch auf dem Teller erkennbar aus."

Begegnen Sie heute weniger Leuten, die sich in Sachen Klimaschutz querstellen als früher?

Kann man nicht sagen, weil auch Menschen, die sich jetzt für besonders aufgeklärt und liberal halten, häufig in dem Moment stoppen, wo ich einen wissenschaftlich begründeten Vorschlag mache. Also, wenn Sie so wollen, stellen sich tells auch Aufgeklärte quer. Nur, sie fühlen sich gut dabei.

Manches klappt auch. Also der Klassiker ist jetzt im Internet gerade, deine Wiese nicht zu mähen, was ja wirklich kinderleicht ist. Darüber müssen wir jetzt nicht mehr als zwei Sätze verlieren. Das kann jede und jeder. Und wenn deine Nachbarn greinen, dann sagst du: „Okay, dann mache ich ihnen ein gemähtes Streifchen, damit nichts in Richtung ihrer Kinder weht oder so. Also das ist ein lösbares Problem.

Ich habe schon mehr Gespräche, weil das Klima-Ding mittlerweile insgesamt mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Aber die Anzahl der Leute, die jetzt für Änderungen oder kontra oder irgendwas dazwischen sind, die bleibt irgendwie gleich, finde ich.

Und wie gehen Sie mit Leuten um, die den menschengemachten Klimawandel komplett ablehnen bzw. leugnen?

Interessiert mich nicht. Die wollen halt nicht mitmachen. Das ist wie im Kindergarten oder in der Schulstunde. Da musst du zusehen, dass es sozial-vertraglich abläuft. Alle sollen so weit mitkommen, wie sie mitkommen können mit ihrem Handlungsspielraum. Ich zum Beispiel habe keinen Bock auf Sport gehabt in der Schule, dann haben meine Lehrerinnen und Lehrer gesagt: „Komm, Mark, dann machst du halt Tischtennis und Badminton, irgendwas, was du kannst, und dann passt das schon." Wer nicht will, der will nicht.

Diese Gruppe, die sich gegen Klimaschutz stellt, wirkt im öffentlichen Diskurs groß und laut. Wie groß ist diese Gruppe wirklich?

Wie gesagt: Die meisten Menschen stellen sich gegen Änderungen, weil sie sagen, das muss der Papa machen oder die Mama oder Gott, jedenfalls irgendwer anderer. Ich glaube, wenn sich drei Sachen gesellschaftlich und politisch einarbeiten, dann ist es egal, ob du jetzt was glaubst oder Schwierigkeiten hast oder betroffen bist, dann wirst du irgendwann sagen: „Okay, dann machen wir jetzt einfach mal das Richtige."

Erstens: Die US-Amerikaner and die Chinesen haben extreme Umwelt-Technologieprogramme am Laufen. Da müssen die Europäer und Europäerinnen früher oder später mit, weil es wirtschaftliche Folgen haben wird. Das hat Joe Biden schon bei seiner Wahl gesagt: „Es geht um Arbeitsplatze. Umwelttechnologien schaffen massenhaft Arbeitsplätze." Und die Chinesinnen und Chinesen machen es sowieso, ohne viele Trara.

Das Zweite ist die persönliche Erfahrung. Vor vielen Jahren haben alle bei Überflutungen gesagt: „Komm, dann pumpen wir das Wasser raus, die Versicherung zahlt es." Boms, kam die zweite. Und dann wurde ein Hochwasserkonzept durchgezogen. Denn beim zweiten Mal haben wirklich alle gesagt: „Okay, jetzt reicht's."

Gleichzeitig wachst eine Generation heran, für die normal geworden ist, dass es gute Informationen über den Klimawandel gibt.

Als es beispielsweise urn mehr Windenergie ging, gab es irre Propaganda im Internet, auch mit Todesdrohungen gegen Befürworter. Richtig, richtig krass. Habe ich auch abbekommen. Trotzdem wurde Windkraft zunehmend eingeführt. Deswegen denke ich, egal wie viele Leute schreien, egal wer Taut ist, egal wer droht, einen umzubringen, egal wer lügt: Das ist alles egal. Ich kümmere mich darum, dass was passiert, dass alle im Gesprach bleiben, dass alle sich noch in die Augen gucken können hinterher and nicht als Idioten dastehen.

Wie ist der Diskurs über Klima so eskaliert, dass Menschen wie Sie Todesdrohungen kriegen?

Menschen sind ja auch Tiere. Und sobald ein Tier in die Ecke gedrängt wird, wird es böse.

Nehmen Sie zum Beispiel die sogenannten Boomer und die Silent Generation. Diese Menschen sind jetzt alt und haben Angst – auch davor, am Ende als Deppen dazustehen, weil sie merken, dass alles zusammenbricht, dass ihre Entscheidungen vielleicht falsch waren, ihre Überzeugungen im Nachhinein auch. Da kann ich schon verstehen, dass sie Panik kriegen.

Konservative und/oder ältere Menschen beklagen dagegen, dass die Jugend sich mit Protesten und Verboten in den Mittelpunkt drängen und die Gesellschaft für sich vereinnahmen möchte. Ist da etwas dran?

Das war schon immer so. Ich habe schon 2000 Jahre alte Texte gelesen, wo beklagt wird, dass die Jugendlichen immer so einen Terz machen und faul sind und immer die Gesellschaft umgestalten wollen. Als ich in der Schule war, habe ich das auch schon gehört. Jetzt höre ich es immer noch. Das sagen alle alten Leute seit mindestens 2000 Jahren, vermutlich schon seit 10.000 Jahren.

Trotz aller Informationen wissen Umfragen zufolge 20 Prozent der Jugendlichen nicht, was Klimawandel genau ist. Ihre Vorträge, die IPCC-Berichte und anderes mehr – sind die vielleicht immer noch zu schwer verständlich für den Durchschnitt?

Wer einem Vortrag von mir nicht folgen kann, dem kann ich mit meinen Mitteln nicht helfen. Da kommt kein einziges Fremdwort vor und er besteht nur aus Bildern. Und zu den 20 Prozent: Das ist doch gut, denn das heißt doch, 80 Prozent der Leute raffen es. 80 Prozent sind sensationell.

Aber wie sind die 20 Prozent zu erklären, die es nicht verstehen?

Das Verstehen ist nicht das Problem. Die begreifen jedes Wort. Dass sie weder verstehen wollen noch ihren Arsch bewegen, das ist nicht mein Problem. Wenn Menschen keinen Bock haben, weiterzuleben als Menschheit, sondern sozusagen im SUV entweder zu ertrinken, zu verbrennen oder zu verhungern, okay. Wirklich, ganz im Ernst: Nicht mein Problem. Da kann ich nichts machen.

Sie haben eine sehr direkte Art. Ist dieser Tonfall die richtige Weise, den Dialog zum Thema Klimaschutz zuführen?

Keine Ahnung. Klicks auf Fach-Vorträge gibt es jedenfalls massenhaft, genauso wie Nachfragen. Mein Team und ich ertrinken in Anfragen für Klimavorträge. Also offenbar ist ein, wie soll ich sagen, nie gekanntes Interesse daran vorhanden. Ob das zielführend ist, weiß ich nicht. Wird sich dann zeigen.

Unsere Serie heißt „Alles Sagen". Nach allem, was Sie so erleben, sollten Menschen wirklich immer alles sagen dürfen?

Was ist denn „alles"? Es kommt aufs Gegenüber an. Ob man alles sagen darf, müssten Sie eher Leute fragen, die mich beleidigen, bedrohen, ärgern. Keine Ahnung, mir ist es egal.

Aber bei Ihnen kann auf jeden Fall jeder alles sagen?

Ja, klar. Aber warum? Es ist ja eher eine Frage der sozialen Sinnhaftigkeit, ob man in einer Situation alles sagen sollte. Ich halte das grundsätzlich für völlig unproblematisch: Sag doch einfach, was du sagen willst, anstatt mir jetzt zu erklären, dass man angeblich nichts mehr sagen darf.


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